Den Deutschen Umweltpreis 2025 geht an das Geschäftsführungsduo Lars Baumgürtel und Birgitt Bendiek vom Stahlverzinkungsunternehmen ZINQ aus Gelsenkirchen sowie an die Schweizer Klimaforscherin Sonia Seneviratne. Sie teilen sich das Preisgeld von insgesamt 500.000 Euro. Der Preis wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) verliehen und zählt zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas. Verliehen wird er in diesem Jahr am 26. Oktober.

Kreislaufwirtschaft in der Stahlverarbeitung
Die Firma ZINQ verzinkt Stahl, um ihn vor Rost zu schützen. Statt des üblichen energieintensiven Prozesses, bei dem das Metall unter anderem in eine 450 Grad heiße Zinkschmelze getaucht wird, nutzt das Unternehmen jedoch ein nachhaltigeres Verfahren, dass weniger Materialien und weniger Energie benötigt. Dabei werden Stahlteile ebenfalls mit einer Zink-Deckschicht überzogen, diese ist jedoch um 80 Prozent dünner als beim herkömmlichen Prozess. Möglich machen dies spezielle Zink-Aluminium-Legierungen und ein effizientes Zinkbad bei 420 Grad. Hinzu kommen Wärmerückgewinnung, die Verwendung von grünem Strom, optimierte Steuerungstechnik und andere Maßnahmen. Dadurch wird bei diesem Mikrozink-Verfahren insgesamt deutlich weniger von dem klimaschädlichen Treibhausgas CO2 ausgestoßen und weniger des Rohstoffes Zink benötigt.
Damit sei die Firma ein „inspirierendes Vorbild für Rohstoff- und Energieeffizienz und geprägt von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in einer ressourcenintensiven Branche“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Baumgürtel und Bendiek stünden „für ein Unternehmen, das im Klimaschutz außergewöhnlich stark ist und seit Jahrzehnten mit Kreislaufführung von Rohstoffen ein wichtiges Thema herausragend voranbringt“.
Aus verzinktem Stahl werden zahlreiche Produkte hergestellt, unter anderem Bleche, Brücken, Balkone, Nägel, Schrauben, Schubkarren, Container, Geländer, Maschinen-, Fahrzeug- und Hallenbau, Windenergie- und Solaranlagen, Dachrinnen und Leitplanken. Die Zinkbeschichtung verhindert dabei, dass der Stahl rostet und erhöht die Lebensdauer der Bauteile. Bundesweit werden jährlich rund zwei Millionen Tonnen Stahlteile mit Zink beschichtet, darunter ungefähr 200.000 Tonnen von der Firma ZINQ an deren 20 deutschen Standorten. An allen 50 europäischen Standorten des Unternehmens seien es etwa 550.000 Tonnen.

Forschung und Kommunikation zum Klimasystem
Die andere Hälfte des Deutschen Umweltpreises erhält die renommierte Klimaforscherin Sonia Isabelle Seneviratne von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich). Sie habe als Forscherin die Wechselwirkungen zwischen Bodenfeuchte, Vegetation und Atmosphäre sichtbar gemacht und in den internationalen Diskurs gebracht, so die DBU.
Mit ihrer biophysikalischen Forschung hat die Klimawissenschaftlerin die Land-Klima-Dynamik und die Wechselwirkungen zwischen Wasser- und Kohlenstoffkreislauf untersucht. Dabei hat sie bewiesen, dass Bodenfeuchte, Pflanzen und Atmosphäre zusammenwirken und den Klimawandel verstärken. Denn bei Trockenheit nehmen Pflanzen weniger CO2 auf und geben weniger Wasser ab. Beides trägt dazu bei, dass die Temperaturen in der Atmosphäre steigen, und begünstigt Hitzewellen. Durch diese Erkenntnisse „hat sie ein Bewusstsein für entscheidende Faktoren der Erderwärmung geschaffen“, die nun auch in den Klimamodellen stärker berücksichtigt werden, so Bonde. Ihre Forschung hat auch zum Schweizer Klima- und Innovationsgesetz sowie zur Nationalen Trockenheitsplattform beigetragen, einem Schweizer Wettermonitoring- und Frühwarnsystem.
Ausgezeichnet wurde Seneviratne jedoch nicht nur für ihre Forschungsarbeit, sondern ausdrücklich auch für ihre Wissenschaftskommunikation. Sie warnt die Öffentlichkeit „mit hohem persönlichem Engagement“ und in verständlicher Sprache vor den Klimafolgen und setzt sich für den Klimaschutz ein, „mit dem Ziel, einen lebenswerten Planeten zu erhalten“, sagt der DBU-Generalsekretär. Die Forscherin unterstützt unter anderem die Gletscher-Initiative, sitzt seit 2023 im Vorstand des Weltklimarats IPCC und hat wesentlich an dessen sechsten Bericht mitgeschrieben. Zudem arbeitet sie als Kolumnistin.
Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)





