Stachelig, giftig und gefräßig: Wer sich für die Korallenriffe der Welt interessiert, kennt vermutlich die Bilder von Armeen aus Dornenkronenseesternen (Acanthaster spp.), die manchmal die Unterwasserwelten heimsuchen. Das Markenzeichen dieser maximal 40 Zentimeter großen Meerestiere sind ihre giftigen Stacheln, mit denen sie sich vor Angreifern schützen. Sie bedecken auch ihre bis zu über 20 Arme, mit denen sich diese Seesterne über die Polypen von Steinkorallen im gesamten Indopazifik hermachen. In den letzten Jahrzehnten kommt es immer häufiger zu Massenvermehrungen dieser Wesen, die dann Korallenriffe buchstäblich verheeren können. Es handelt sich dabei um eine große Bedrohung dieser Ökosysteme, die ohnehin durch den Klimawandel und weitere menschengemachte Beeinträchtigungen stark unter Druck stehen. Man geht davon aus, dass auch die Massenvermehrungen der Dornenkronenseesterne eine Folge der aus dem Gleichgewicht gerateten Systeme sind. Ein wichtiger Faktor ist dabei wohl der Schwund ihrer natürlichen Feinde, unter anderem durch die Überfischung.
Nicht nur ein Plagegeist
Aufgrund ihrer wichtigen Rolle sind die Dornenkronenseesterne vergleichsweise gut erforscht. Doch überraschenderweise gab es bisher Unklarheiten über ihre Vielfalt. „Lange nahm man an, dass die erstbeschriebene Art der Gattung, Acanthaster planci, vom Roten Meer über den Indischen Ozean bis über den gesamten Pazifik verbreitet ist“, sagt Erst-Autor Gert Wörheide von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Doch dann zeichneten sich deutlich unterschiedliche Linien unter den Tieren ab. Bisher wurden deshalb bereits drei Arten abgegrenzt, die in unterschiedlichen Teilen des Indopazifiks die Riffe besiedeln: Acanthaster planci im nördlichen Indischen Ozeans, Acanthaster mauritiensis im südlichen Indischen Ozean und Acanthaster cf. solaris im Pazifischen Ozean.
Es gab allerdings auch schon Hinweise darauf, dass die Dornenkronenseesterne im Roten Meer eine weitere Spezies darstellen könnten. Dieser Spur sind Wörheide und seine Kollegen im Rahmen ihrer Studie nun gezielt nachgegangen. „Bei Dornenkronenseesternen aus dem Roten Meer wurden zwar bereits früher vereinzelte Besonderheiten beobachtet, zum Beispiel eine eher nachtaktive Lebensweise oder eine wahrscheinlich geringere Toxizität der Stacheln, aber wir wussten noch nicht, dass es sich tatsächlich um eine eigenständige Art handelt“, so Wörheide. Doch durch ihre genetischen und morphologischen Untersuchungen konnten die Wissenschaftler jetzt erstmals klar zeigen, dass es sich bei den im Roten Meer beheimateten Dornenkronenseesternen tatsächlich um eine sogenannte endemische Spezies handelt. Sie kommt ausschließlich in diesem Nebenmeer des Indischen Ozeans zwischen Nordost-Afrika und der Arabischen Halbinsel vor.





