Rund 1,5 Million Gebäudeeigentümer in Deutschland betreiben inzwischen eine Photovoltaikanlage auf ihrem Dach. Sie profitieren davon, dass die Erzeugungskosten für den Solarstrom niedriger sind als der Strompreis. Der Sonnenstrom vom eigenen Dach kostet gerade bei neuen Anlagen nur rund halb so viel wie der aus dem Stromnetz.
Ungenutztes Potenzial
In Mietshäusern jedoch ist günstiger Ökostrom vom Dach bisher eher die Ausnahme. Die Gründe sind vor allem wirtschaftlicher Natur: Anbieter von Mieterstrom müssen seit Mitte 2014 die volle EEG-Umlage, derzeit 6,35 Cent netto pro Kilowattstunde (kWh), zahlen, wenn sie die Mieter mit dem hausgemachten Strom vom Dach versorgen. Hinzu kommen bei Mieterstromvorhaben zusätzliche Kosten etwa durch aufwändige Zählerkonzepte. Der Ertrag solcher Modelle war infolgedessen meist zu gering, um auf dem Markt eine Chance zu haben.
Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache. Künftig könnten vermehrt auch Mieter in den Genuss des preiswerten Ökostroms kommen. Mieterstrommodelle heißen die neuen Projekte. “Von Mieterstrom profitieren alle Akteure”, sagt Carsten Tschamber vom Solar Cluster Baden-Württemberg. “Das Marktpotenzial in Deutschland ist außerordentlich hoch.” Immerhin rund 20 Prozent der Mietwohnungen eignen sich für Mieterstrom. Das sind insgesamt 1,5 Millionen Wohnungen, hat das Marktforschungsunternehmen Trendresearch ausgerechnet.
Mieterstrommodelle: So geht’s
Und so funktionieren die solaren Mieterstrommodelle: Der Gebäudeeigentümer verpachtet sein Dach an ein Unternehmen, eine Energiegenossenschaft oder ein Stadtwerk, das dort eine Photovoltaikanlage errichtet, betreibt und die Mieter mit dem günstigen Solarstrom beliefert. “Der vor Ort von der Solaranlage erzeugte Strom verbleibt im Gebäude, wird dort verbraucht und nutzt nicht das öffentliche Stromnetz”, erklärt Tschamber. “Der Strom ist daher von Netzentgelten und der Stromsteuer befreit und wird den Mietern bis zu 15 Prozent günstiger als normale Stromtarife angeboten.”
Liefert die Solaranlage bei bedecktem Himmel nicht genug Elektrizität, bekommen die Mieter automatisch Strom aus dem Netz. Solarstromüberschüsse werden eingespeist und im Rahmen des EEG vergütet. Im Briefkasten liegt weiterhin nur eine Stromrechnung. Ein Wechsel vom Mieterstrommodell zu einem anderen Anbieter ist jederzeit möglich. Und wer keine Lust auf das Angebot des Vermieters hat, kann es einfach ausschlagen und bei seinem Stromversorger bleiben.
Immerhin rund hundert solcher Mieterstrom-Projekte wurden deutschlandweitbereits realisiert, viele sind in den Startlöchern. Stadtwerke, Wohnungsbauunternehmen und Firmen aus dem Energiesektor bieten fachliche Hilfe an.





