Weiße Beläge oder Flecken breiten sich in den Beständen aus, die Pflanzen leiden und die Erträge sind bedroht: In den Weinbaugebieten Deutschlands machen verschiedene Pilzerkrankungen den Winzern zu schaffen und im Zuge des Klimawandels ist mit einer weiteren Verschärfung des Problems zu rechnen. Besonders gefürchtet ist dabei der sogenannte Falsche Mehltau (Plasmopara viticola). Dieser Schadpilz kann sich in Weinbergen besonders schnell ausbreiten – wenn die Bedingungen für ihn günstig sind. Konkret ist für die Vermehrung und Ausbreitung des Erregers Wasser auf der Blattunterseite nötig. „Entscheidend für eine Infektion sind also die klimatischen Bedingungen im Weinberg beziehungsweise rund um den einzelnen Rebstock und innerhalb der Laubwand“, erklärt Team-Mitglied Christian Zörb.
Bedarfsgerechte Prävention gefragt
Bei entsprechenden Witterungsbedingungen sind Präventionsmaßnahmen üblich: Winzer setzten dann Fungizide ein, die eine Ausbreitung des Pilzes eindämmen sollen. Eine möglichst präzise Früherkennung der kritischen Bedingungen ist deshalb wichtig. Winzer orientieren sich dabei bisher schon an Modellen, die auf Klimadaten von lokalen Wetterstationen beruhen. Ein gängiges Prognosesystem ist dabei VitiMeteo. „Das Problem ist aber, dass die Daten nur in relativ großen räumlichen Abständen erfasst werden“, sagt der Leiter des Verbundprojekts Joachim Müller. Doch die klimatischen Bedingungen bei Weinbergen und innerhalb des Bestandes können sehr stark variieren, erklären die Wissenschaftler.
An diesem Punkt setzt nun das Forschungsprojekt „FungiSens“ an. Sein Hauptziel ist es, die Früherkennung und Prognose von Pilzerkrankungen durch das VitiMeteo-Prognosesystem zu verbessern. Wie die Universität Hohenheim berichtet, haben die Forscher dazu ein kleines, kostengünstiges und pflegeleichtes Sensorsystem entwickelt. Die drahtlosen Mikrosensoren werden direkt in den Weinreben installiert und leiten die Daten dann an VitiMeteo in Echtzeit weiter. „So können besonders in Lagen mit extremen Geländeunterschieden, wie beispielsweise an der Neckarschleife bei Besigheim, auch kleinräumige Unterschiede präziser erfasst und abgebildet werden“, erklärt Team-Mitglied Steffen Schock.
Wie die Forscher berichten, zeichnet sich in den bisherigen Ergebnissen ab, dass das tatsächliche Infektionsrisiko oft deutlich niedriger sein kann, als die Prognosemodelle es bislang anzeigten. Dabei verglichen sie die von einer Wetterstation gemessenen Daten mit denen im Inneren eines Rebstocks und stellten deutliche Unterschiede bei den klimatischen Bedingungen fest. „Die Verteilung und die Dichte des Laubs spielen eine wichtige Rolle“, erklärt Team-Mitglied Melissa Kleb. „Innerhalb der Laubwand kann ein ganz anderes Klima herrschen als außerhalb“, betont die Forscherin. Konkret konnten die Wissenschaftler dort tagsüber oft höhere Temperaturen und eine niedrigere relative Luftfeuchtigkeit feststellen als es bisherige Daten vermuten ließen.





