Der Winter lockt viele Menschen in die Berge – zum Skifahren, Snowboarden, Langlaufen, Rodeln oder einfach, um die verschneite Landschaft zu genießen. Doch die Bedingungen in den Alpen und Mittelgebirgen verändern sich. Ein wesentlicher Faktor: Winterurlaubsregionen wachsen und beherbergen immer mehr Touristen. Die Infrastruktur und der dichte Besucherbetrieb, die damit Jahr für Jahr einhergehen, greifen jedoch in die natürlichen Lebensräume der Berge ein und schaden der Natur.
Tierische Ruhestörung
Winterliche Berglandschaften wirken ruhig und unberührt. Für viele Tiere ist diese Jahreszeit eine Phase des Energiesparens und Überlebens. Rotwild, Gämsen oder Schneehasen reduzieren ihre Aktivität auf ein Minimum, um mit den knappen Ressourcen auszukommen. Werden sie von Skifahrern, Schneeschuhwanderern oder Tourengehern überrascht, lösen solche Begegnungen oft eine Fluchtreaktion aus. Das kostet wertvolle Energie, die die Tiere im Winter kaum ersetzen können. Besonders sensibel reagieren Arten, die geschützte Rückzugsräume benötigen, etwa Raufußhühner wie Birk- oder Schneehuhn. Sie verbringen den Tag häufig in Schneemulden knapp unter der Oberfläche an vermeintlich einsamen Hängen. Werden diese Rückzugsorte gestört oder überfahren, kann das für die Tiere lebensbedrohlich sein.
Um die Tiere zu schützen, sollten Winterurlauber daher auf ausgewiesenen Pisten, Wegen und Aufstiegsrouten bleiben und Waldrändern, Dickichten und Gehölzen nicht zu nahe kommen. Zudem sollten sie Wintersport zur Dämmerungs- und Nachtzeit vermeiden, da Lichter an Ausrüstung und Piste die Tiere stören. Viele Alpenvereine bieten inzwischen Touren an, die sensible Lebensräume umgehen.
Doch selbst wenn sich Wintersportler an diese Regeln halten, greift ihr Freizeitspaß tief in die Bergwelten ein. Denn bevor der (Kunst-)Schnee liegt, sind viele Skigebiete bereits stark verändert: Damit Pisten breit und gleichmäßig befahrbar sind, werden Hänge planiert und Wälder gerodet. Das verdichtet den Boden so stark, dass er kaum noch Wasser aufnehmen kann. Regen fließt hangabwärts, nimmt Erde mit und begünstigt Erosion, Schlammabgänge und im Winter ein höheres Lawinenrisiko.

Umweltbelastender Kunstschnee
Ein weiteres Problem: Natürlicher Schnee wird seltener. Durch die steigenden Temperaturen infolge des Klimawandels sind schneearme Winter längst keine Ausnahmen mehr. Deswegen nutzen viele Winterurlaubsregionen Kunstschnee, um die mangelnde Schneemenge auszugleichen. Im Winter 2023/24 wurden laut Statista beispielsweise bereits 90 Prozent der italienischen Skipisten im Alpenraum künstlich beschneit.
Schneekanonen sind allerdings nicht nachhaltig, denn sie benötigen große Mengen Wasser und Energie: Pro Hektar Piste werden jährlich rund eine Million Liter Wasser verbraucht. Das entspricht dem Bedarf einer Großstadt wie Hamburg. Durch die Entnahme des Wassers führen manche Flüsse in den Alpen bereits bis zu 70 Prozent weniger Wasser als vor der künstlichen Beschneiung. Zusätzlich greifen dafür benötigte Speicherteiche, Pumpstationen und Rohrleitungen in die Natur ein.
Kunstschnee ist außerdem dichter, schwerer und bleibt länger liegen als natürlicher Schnee. Dadurch verkürzt sich die Regenerationszeit der Wiesen und Pflanzen kommen später in die Wachstumsphase. Schäden an der Vegetation sind auf Kunstschneepisten daher deutlich häufiger. Nachhaltige Alternativen für Kunstschnee sind bislang rar. Skiurlauber können künstlich beschneite Gebiete vermeiden, um ihre Reise nachhaltiger zu gestalten.
Nachhaltiger reisen
Was den Winterurlaub neben Infrastruktur und Kunstschnee ebenfalls wenig nachhaltig macht, sind An- und Abreise der Touristen: Die meisten Urlauber reisen mit dem Auto an und bleiben nur wenige Tage. Von 45 bis 50 Millionen Touristen in den Alpen reisen nur etwa fünf Prozent mit der Bahn. Die Deutsche Bahn bietet für einige Skigebiete ein Kombiticket mit Skipass an. Neben der An- und Abreise gibt es auch Hotels, die viel Wert auf Nachhaltigkeit in ihrem Betrieb legen. Auch muss es nicht immer der Skiurlaub in einer bekannten Region sein. Kleinere Orte abseits der großen Skigebiete, die jedoch leichter erreichbar sind und weniger stark in die Natur eingreifen, bieten ebenfalls genügend Aktivitäten zwischen Schnee und Eis.





