Sinkt die Produktion von Sexualhormonen, erhöht sich das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung. Diese Ansicht vertrat Sam Gandy von der New York University auf der Jahrestagung der American Neurological Association in Chicago. Er hatte nachgewiesen, dass eine verringerte Testosteronbildung bei Männern zu einer erhöhten Konzentration an Amyloid-Protein im Blut führt. Aus diesem Protein bilden sich die Ablagerungen im Gehirn von Alzheimer-Patienten, die wahrscheinlich für das Absterben von Nervenzellen und die daraus resultierenden Gedächtnisstörungen verantwortlich sind.
Die Wissenschaftler untersuchten sechs Männer, deren Testosteronproduktion im Rahmen einer Prostatakrebstherapie gedrosselt wurde. Innerhalb eines halben Jahres verdoppelte sich bei allen Patienten der Amyloidgehalt im Blut.
Aus früheren Untersuchungen war bekannt, dass Menschen mit einem erhöhten Amyloidspiegel ein höheres Alzheimer-Risiko tragen. “Es ist jetzt wichtig, dass wir diese Messungen über mehrere Jahre fortführen und dabei zusätzlich die Gedächtnisleistung testen. Dann können wir nachweisen, ob sich bei den Patienten tatsächlich eine Alzheimer-Erkrankung entwickelt”, sagt Gandy. Andere Studien hatten gezeigt, dass eine Hormontherapie bei Frauen nach der Menopause das Alzheimer-Risiko um die Hälfte senkt. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass sowohl Testosteron als auch das weibliche Sexualhormon Östrogen eine Rolle beim Abbau des Amyloid-Proteins spielen könnten. Dieser Zusammenhang würde auch erklären, warum die Alzheimer-Krankheit erst im Alter, also bei nachlassender Hormonproduktion, auftritt.
Ob eine Hormonersatztherapie die Entstehung von Alzheimer tatsächlich verhindern kann, soll eine bereits angelaufene Zehnjahresstudie zeigen. 2003 sei, so Gandy, mit einem ersten Zwischenergebnis zu rechnen.
Joachim Czichos





