Das Konzept von Biokraftstoffen klingt vielversprechend: Stärke, Zucker und Öl aus Pflanzen wie Mais, Getreide, Rüben oder Zuckerrohr werden zu nachhaltigem Sprit. Zwar setzt auch die Verbrennung von Biodiesel und Bioethanol CO2 frei, doch anders als bei fossilen Brennstoffen haben die Pflanzen zuvor während ihres Wachstums bereits CO2 aus der Atmosphäre gezogen. Durch dieses Nullsummenspiel ist Biokraftstoff in der Theorie klimaneutral, weshalb in Zukunft mit einer enormen Nachfrage nach ihm zu rechnen ist.
Biosprit in drei Szenarien
Je mehr Bedarf an Biosprit besteht, desto mehr Energiepflanzen müssen auch für seine Herstellung angebaut werden. Doch wo? Die meisten landwirtschaftliche genutzten Flächen werden bereits für den Anbau von Nahrungs- und Futtermitteln verwendet. Experten gehen jedoch davon aus, dass sich Biospritlieferanten wie Mais, Rüben und Co. bei steigender Nachfrage nach Biokraftstoffen auf diese Flächen ausbreiten werden und die bisher dort angebauten Nutzpflanzen verdrängen. Deren Anbau müsste dann auf andere, noch unerschlossene Flächen ausweichen. Dafür kommen zum Beispiel Waldflächen in Frage, die dann extra dafür gerodet werden müssten, was zu erheblichen CO2-Emissionen führen würde.
„Wird der Anbau von Bioenergiegräsern nicht strikt auf marginales oder brachliegendes Land beschränkt, könnte sich die Nahrungsmittelproduktion verlagern und landwirtschaftliche Flächen könnten sich zu Lasten natürlicher Flächen ausweiten”, erklärt Leon Merfort vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Gemeinsam mit Kollegen hat er die Folgen dieses Ringtauschs von Landschaftsnutzungen nun näher untersucht und quantifiziert. Mithilfe spezieller Computerprogramme spielten die Forschenden dabei auch verschiedene Zukunftsszenarien samt ihrer Folgen fürs Klima durch.
In einem Szenario gingen Merfort und seine Kollegen zum Beispiel davon aus, dass der Anbau der Biosprit-Nutzpflanzen in keiner Weise reguliert wird. Ein weiteres Szenario bepreiste das dabei freigesetzte CO2 mit einer Summe, die 20 Prozent der aktuell für den Energiesektor üblichen Emissionspreise betrug. Weitere Szenarien gingen davon aus, dass Maßnahmen zum Schutz der Wälder ergriffen werden, also dass zum Beispiel 90 Prozent der Waldflächen weltweit unter Schutz gestellt werden.
Biosprit langfristig schädlicher als Diesel und Benzin
„Unsere Arbeit zeigt: Ohne zusätzliche Landnutzungspolitik können die Emissionen aus Rodung für die Produktion moderner Biokraftstoffe über einen Zeitraum von 30 Jahren sogar höher liegen als bei der Verbrennung von fossilem Diesel“, berichtet Ko-Autor Florian Humpenöder. Die Produzenten von Biosprit also einfach unreguliert schalten und walten zu lassen, führt demnach langfristig dazu, dass die eigentlich klimaneutralen Effekte von Biodiesel und Bioethanol ins Gegenteil umschlagen. Doch wie lässt sich die Landnutzung so regulieren, dass dieses Szenario nicht eintritt? Einen Großteil aller Waldflächen unter Schutz zu stellen, führt überraschenderweise noch nicht zum Ziel, wie das Forschungsteam berichtet. Selbst wenn 90 Prozent aller Waldflächen weltweit unter Schutz stünden, würden die verbliebenen zehn Prozent den Forschenden zufolge immer noch ein zu großes Schlupfloch bieten.





