Männliche Seidenlaubenvögel, die während der Brautwerbung auf die Reaktionen ihrer Auserwählten eingehen, sind erfolgreicher als unsensible Konkurrenten – auch wenn sie sich dabei manchmal weniger ins Gefieder werfen. Zu diesem Ergebnis kommen Gail Patricelli und ihr Team von der University of Maryland, USA, nach Versuchen mit ferngesteuerten Modellen des weiblichen Vogels, berichten sie in der Fachzeitschrift Nature (Bd. 415, S. 279).
Die männlichen Seidenlaubenvögel (Ptilonorhynchus violaceus) zeigen ein geradezu dramatisches Brautwerbeverhalten – sie bauen nicht nur eine Bruthöhle, die sie mit Federn, Steinen oder Moos verzieren, sondern plustern sich auf, spreizen ruckartig ihre Flügel und rennen auf und ab, wobei sie einen lauten Brummton von sich geben. Dieses intensive Buhlen um Aufmerksamkeit ist zwar imposant, kann auf die Weibchen jedoch auch bedrohlich wirken.
Während der Paarungszeit balzt ein Weibchen mit verschiedenen Männchen und trifft dann die Entscheidung, mit welchem Kandidaten es sich paaren möchte. Bei der Balz kauert das Weibchen am Boden und kippt langsam nach vorne in die Paarungsposition. Je weiter sich das Weibchen der Paarungsposition nähert, desto prächtiger kann sich der Vogel präsentieren ohne es zu verschrecken.
Die Wissenschaftler vermuteten daher, dass der Vogel auf die Reaktion des Weibchens eingeht und sein Balzverhalten daran anpasst. Ihre Hypothese testeten sie mit einem ferngesteuerten Modell eines weiblichen Seidenlaubenvogels. Tatsächlich konnten sie ihre Theorie bestätigen: Je weiter das Vogelmodell nach vorne kippte, sich also der Paarungsposition näherte, desto intensiver war das Balzverhalten des Männchens. Außerdem stellten sie fest, dass die Männchen mit dem auffälligsten Werbeverhalten die besten Chancen für eine Paarung hatten.
So machen die bei der Brautwerbung erfolgreichen Seidenlaubenvögel nicht nur großen Eindruck auf die Weibchen, sondern sie können auch besonders gut auf deren Verhalten eingehen.
Ralf Möller





