Weniger lustig ist es, wenn sich Menschen an normalen Tagen ein Mäntelchen umlegen. Sie tarnen sich nicht wie die Springspinne, aber zumindest so, dass man ihr Anliegen nicht gleich erkennen kann. Bei unserer Spezies klappt das sogar nur mit Worten. Mimikry durch Reden sozusagen. Zwei Gruppen sind darin besonders umtriebig und erfolgreich: Firmenlenker und Politiker. Wenn es nach den Bekundungen auf Konferenzen und Pressemitteilungen ginge, wäre der Planet jede Woche wenigstens einmal gerettet. So verweist die Bundesregierung gerne auf ihre Bestrebungen in Sachen Klimaschutz, doch wenn es darum geht, tatsächlich Kohlendioxid einzusparen, bleibt von den Beteuerungen oft nur eins übrig: heiße Luft.
Die Europäische Union wollte strengere Abgasregeln durchsetzen. Danach sollen Neuwagen nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen dürfen. Doch die Produktpalette deutscher Autobauer umfasst viele Spritschlucker, die solch eine Messlatte in jedem Fall reißen. Was also tun? Sparsamere Autos bauen? Nein, im Einvernehmen mit der Autoindustrie macht sich Deutschland dafür stark, die Regeln aufzuweichen, indem Elektroautos in der Bilanz der Fahrzeugflotte dreifach eingerechnet und gutgeschrieben werden. Das bedeutet: Ein E-Auto, das grundsätzlich mit Null Emissionen verbucht wird, stützt so umso stärker die Modelle, die einen erheblich höheren CO2-Ausstoß haben. Mimikry durch Mathematik sozusagen.
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