Ob Falken-Raubmöwe, Trottellumme oder Eissturmvogel – vielen Seevögeln geht es schlecht, ihre Bestände schrumpfen. Einige von ihnen leiden unter den Folgen der Meeresverschmutzung und Überfischung, der ihnen die Futtersuche erschwert. Andere sind von der fortschreitenden Zerstörung ihrer Brutgebiete durch menschliches Handeln betroffen oder müssen wegen des Klimawandels in immer neue Gebiete ausweichen. Im Prinzip könnten Schutzgebiete dazu beitragen, die bedrohten Vogelarten und ihre Lebensräume wirksamer zu schützen und die Artenvielfalt zu sichern.
Spurensuche mit Trackingdaten
Das Problem jedoch: Viele Seevogelarten sind weiträumig unterwegs und wandern Tausende von Kilometern durch nationale und internationale Gewässer. Um zu überleben, sind sie auf den Erhalt mehrerer ganz unterschiedlicher und teilweise weit auseinanderliegender Gebiete und Ökosysteme angewiesen. Denn wenn man nur ihr Brutgebiet schützen würde, die Gebiete, in denen sie nach Nahrung suchen aber nicht, könnten die Vögel trotzdem auf Dauer nicht überleben. Geeignete Areale für Schutzgebiet von Seevögeln zu identifizieren, ist daher besonders schwer. “Infolgedessen sind Seevögel eine der am stärksten bedrohten Gruppen von Wirbeltieren, wobei fast die Hälfte aller Arten einen Bestandsrückgang erlebt”, erklärt Johannes Lang von der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Um das zu ändern, haben Lang und ein internationales Team unter Leitung von Tammy Davies von der Naturschutzorganisation BirdLife International nun die Beobachtungs- und Populationsdaten von 23 Seevogelarten ausgewertet und diese durch Trackingdaten ergänzt, die in eine zentrale Datenbank von BirdLife International eingespeist worden waren. Diese Daten beruhen auf elektronischen Ortungsmethoden, bei denen die Bewegungen von Vögeln beispielsweise mittels GPS-Tracker über längere Zeit hinweg verfolgt werden. Insgesamt wertete das Forschungsteam 2188 Wege von 23 Seevogelarten im Atlantikraum aus.
Größte bekannte Vogelansammlung auf hoher See
Dabei zeigte sich im Nordatlantik ein Gebiet, das für die meisten der untersuchten Arten eine herausragende Rolle zu spielen scheint. Dieser “Hotspot” liegt mitten im Nordatlantik zwischen dem 41. und 53. nördlichen Breitengrad und dem 31. bis 42. westlichen Längengrad. Es reicht damit von den vorgelagerten Sandbänken Neufundlands bis zu den Azoren. “Wir schätzen, dass zwischen 2,9 bis fünf Millionen Vögel dieses Gebiet im Laufe eines Jahres nutzen”, berichten Davies und ihr Team. “Das ist das erste Mal, dass eine Seevogel-Ansammlung dieses Ausmaßes irgendwo auf hoher See nachgewiesen wurde.” In dem Areal liegen sowohl Futterplätze als auch 56 Brutkolonien der untersuchten Arten.





