Da in Berggebieten auf kleinem Raum viele unterschiedliche Ökosysteme vorkommen, beheimaten sie viele verschiedene, zum Teil speziell angepasste Tier- und Pflanzenarten. Im Grasland in Bergregionen wachsen vor allem krautige, kleinwüchsige Pflanzen wie der Griechische Bergtee (Sideritis scardica), der ab einer Höhe von 1000 Metern im Mittelmeerraum vorkommt. Im Zuge des Klimawandels und durch eine veränderte Landnutzung wachsen jedoch zunehmend auch Sträucher und Bäume im Grasland von Bergregionen. Forschende sprechen dann von sogenannter „Begrünung“. Zusätzlich wird der Bergtee in einigen Regionen stark gesammelt, weil er bei Erkältungen und Verdauungsproblemen helfen soll. Sein Bestand nimmt daher ab.
Alte und neue Pflanzen im Vergleich
Aber wie wirkt sich das auf den Genpool der dort wachsenden krautigen Pflanzen aus? Das haben jetzt Forschende um Spyros Theodoridis vom Senckenberg Biodiversität und Klima- Forschungszentrum in Frankfurt für den Griechischen Bergtee analysiert. Dazu sequenzierten sie die Genome von 62 Individuen vierer Bergtee-Arten aus Herbarien, die meist zwischen 1970 und 1980 auf der südlichen Balkanhalbinsel wuchsen. Zu dieser Zeit waren die Auswirkungen von Klimawandel und veränderter Landnutzung noch nicht so groß. Zusätzlich sequenzierten sie 62 Genome moderner Bergtee-Pflanzen, die an den gleichen Orten wie die historischen Proben wuchsen. Anschließend verglichen die Forschenden die Genome der alten und neuen Bergtee-Pflanzen.
Der Vergleich enthüllt: Die meisten Bergtee-Populationen sind heute von Inzucht betroffen. „In acht von elf untersuchten Gebirgsregionen nahm die genetische Vielfalt in diesem Zeitraum deutlich ab“, erklärt Theodoridis. „In besonders betroffenen Regionen sind heute bis zu 20 Prozent des Genoms einzelner Pflanzen von Inzucht betroffen – ein Hinweis auf zurückgehende Populationsgrößen.“ Im Durchschnitt waren sechs Prozent des Genoms von Bergtee-Pflanzen von Inzucht betroffen. Nimmt die Populationsgröße ab, verkleinert sich der Genpool der Art und es kommt zu Inzucht, erklärt das Team. Das ist gefährlich, da Inzucht die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen an Umweltveränderungen verringert und das Risiko für Krankheiten oder das Aussterben der Population erhöht.
Dichtere Vegetation, mehr Inzucht?
Anhand von Satellitenbildern hat das Team um Theodoridis auch ausgewertet, wie stark die Begrünung in den untersuchten Gebieten in den letzten 40 Jahren zugenommen hat. Die Analyse ergab, dass über 75 Prozent der untersuchten Gebiete auf der südlichen Balkanhalbinsel von starker Begrünung betroffen sind. In Zentralgriechenland trifft das sogar auf knapp 97 Prozent der Gebiete zu. „Die Geschwindigkeit, mit der sich Büsche und Bäume in vormals offenen Graslandschaften ausbreiten, lässt sich direkt mit dem Rückgang genetischer Vielfalt in Sideritis-Populationen verknüpfen“, erklärt Co-Autor David Nogués-Bravo von der Universität Kopenhagen. Durch diesen nun nachgewiesenen Zusammenhang könnten sich zukünftig genetische Veränderungen von Pflanzenpopulationen mittels einfach zugänglicher Satellitenbilder vorhersagen lassen. So könnten gefährdete Populationen früher erkannt und besser geschützt werden.





