Der Schweizer Molekularbiologe Markus Moser warnt davor, Muskelfleisch von Rindern als gänzlich BSE-frei einzustufen. “Es ist fahrlässig, den Leuten weiszumachen, dass überhaupt kein Risiko besteht”, sagte der Miterfinder des Prionen-Tests in einem dpa-Gespräch (Dienstag). Die bloße Tatsache, dass im Muskelfleisch, das bisher als unbedenklich gilt und teilweise in Wurstsorten wie Rindswürsten oder Rindersalami verarbeitet wird, bislang noch nichts gefunden worden sei, rechtfertige noch “kein absolutes Unbedenklichkeitszertifikat”, meinte der Züricher Experte.
Eine Verseuchungsquelle ist nach Ansicht Mosers die Schlachttechnik, bei der das Rückenmark mit einer Kettensäge längsseitig gespalten wird. “Dabei wird ein Sprühnebel erzeugt, der über den ganzen Schlachtkörper verspritzt wird”, sagte der Experte. Tests in England hätten eindeutig gezeigt, dass BSE-infiziertes Rückenmark auch durch die Flüssigkeit, die über das Sägeblatt laufen kann, andere Körperteile des Rindes kontaminiert. Das Problem sei in der Schweiz seit Jahren bekannt.
Eine weitere Gefahr sieht Moser im Tötungsvorgang: “Nicht alle Rinder werden durch Elektroschocks getötet, einige sterben auch durch den so genannten Bolzenschuss. Durch die Zerstörung des Rindergehirns wird aber das Blut kontaminiert.” Da das Herz eine halbe Minute weiterschlage, werde das verseuchte Blut noch einmal im Körper des Tieres umgewälzt und könne auch Teile des zermanschten Hirns weiterleiten. “Bei Versuchen in England sind ganze Hirnstücke in den Lungen der Tiere gefunden worden”, sagte Moser. Der Verbraucher müsse wissen: Es bestehe nur dann kein Risiko, wenn man ganz auf den Verzehr von Rinderfleisch verzichte.
dpa





