Die mittlerweile 16-jährige schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg hat den Stein ins Rollen gebracht: Statt am Freitag in die Schule zu gehen, demonstrierte sie im August 2018 für den Klimaschutz vor dem schwedischen Reichstagsgebäude in Stockholm. Ihrem Vorbild folgten anschließend immer mehr Schüler – mittlerweile ist eine globale Bewegung entstanden, die auch Deutschland stark erfasst hat: Zu Tausenden gehen Schüler in vielen Städten auf die Straße, um für Nachhaltigkeit und einen anderen Umgang mit dem Klimawandel zu demonstrieren. Das unerlaubte Fernbleiben vom Unterricht sei dabei ein gezieltes Mittel, um für Aufmerksamkeit zu sorgen, heißt es.
Doch was geht tatsächlich in den jungen Teilnehmern vor? Wissenschaftlich fundiert konnte dazu bisher kaum jemand etwas sagen – Einschätzungen und Empfehlungen von Experten fehlten weitgehend. Doch nun melden sich die Soziologen um Sebastian Koosvon der Universität Konstanz zu Wort. Im Rahmen eines laufenden Forschungsprojekts haben sie sich dem aktuellen Thema gewidmet. Sie untersuchen bereits seit einiger Zeit, warum sich Menschen für Nachhaltigkeit engagieren. Dazu erstellen die Wissenschaftler gemeinsam mit Studenten und Schülern Umfragen zur Untersuchung des Engagements für Nachhaltigkeit unter jungen Menschen.
Befragung auf der Demo
„Dann nahm die Fridays-for-Future-Bewegung Fahrt auf“, sagt Koos. „Der geht es genau um die Dinge, die wir untersuchen wollen. Also haben wir beschlossen, die Schüler direkt während eines Streiks zu befragen.“ Es handelte sich um eine Kundgebung am 15. März 2019: Etwa 2000 Schüler und Studierende gingen in der Konstanzer Innenstadt auf die Straße. 145 Demonstranten nahmen an der Studie teil. Etwa jeder zehnte wurde für die Teilnahme an der Befragung angesprochen.
„Die üblichen kleinen Belohnungen für ausgefüllte Fragebögen haben wir gar nicht gebraucht“, berichtet Franziska Lauth, die die Befragung mitkoordinierte. „Die Schüler waren froh, dass mal jemand nachhakt und wirklich fundiert wissen will, um was es geht“, sagt Lauth. Wie die Forscher berichten, geht aus ihren Ergebnissen hervor: Die große Mehrheit der Demonstrierenden ist tatsächlich engagiert und gut informiert. Auch dem häufig genannten Vorwurf, die gute Sache sei nur ein Deckmantel fürs Schuleschwänzen, widerspricht das Befragungsergebnis eindeutig. Die große Mehrheit (83 Prozent) verpasste tatsächlich Unterricht und in fast der Hälfte der Fälle hatte die Schule ein Teilnahmeverbot ausgesprochen. Die Schüler zeigten sich allerdings bereit, Sanktionen wie Nachsitzen in Kauf zu nehmen, mit denen mehr als ein Drittel der Befragten durchaus rechnete. Nur jeder Zehnte gab an, dass die Aktion auch eine gute Gelegenheit zum Schwänzen sei.





