Die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena haben durch die Verknüpfung von Patientendaten und Informationen über Stickoxid-Werte in der Luft der Stadt Jena festgestellt, dass sich das kurzfristige Risiko für einen Herzinfarkt auch dann erhöht, wenn der Stickoxidgehalt der Umgebungsluft innerhalb eines Tages schnell ansteigt. Bisher werden entsprechende dynamische Effekte nicht durch die europäischen Grenzwerte erfasst. Möglicherweise sind nun Nachbesserungen nötig, sagen die Forscher.
Das berühmt-berüchtigte Gas hat bereits für viel Wirbel gesorgt. Es entsteht in Heizanlagen, aber bekanntlich vor allem in Verbrennungsmotoren von Kraftfahrzeugen – insbesondere von Diesel-PKWs. Es ist bereits lange bekannt, dass hohe Stickoxidkonzentrationen in der Atemluft der Gesundheit schaden und unter anderem das Herzinfarktrisiko erhöhen. Als Grenzwerte gelten in Europa deshalb 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft als maximaler Stundenwert und 40 Mikrogramm im Jahresmittel.
Die Konzentrationen werden in Europa an zahlreichen Messpunkten erfasst. Die Ergebnisse lassen nicht gerade aufatmen: In ihrem aktuellen Bericht zur Luftqualität schätzt die Europäische Umweltbehörde, dass im Jahr 2016 die Europäer insgesamt über 800.000 Lebensjahre wegen der Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid verloren haben. Die Ergebnisse der aktuellen Studie lassen vermuten, dass der negative Effekt sogar noch drastischer sein könnte.
Wie war die Luft beim Herzinfarkt?
Im Rahmen der Studie hat das Team aus Ärzten und Medizinstatistikern Patienten erfasst, die mit einem akuten Herzinfarkt in den Jahren 2003 bis 2010 im Universitätsklinikum Jena behandelt wurden. Sie stammten aus einem Umkreis von zehn Kilometer um das Klinikum und der Zeitpunkt, zudem die Beschwerden begannen, ließ sich genau rekonstruieren. Die Daten dieser knapp 700 Patienten wurden dann mit den Aufzeichnungen der Immissionsdaten für Stickoxide, Ozon und Feinstaub abgeglichen, die in Jena erfasst werden.
Ein wichtiger Aspekt der Studie war in diesem Zusammenhang: Bei Jena handelt es sich um eine Stadt mit vergleichsweise sauberer Luft. Bis auf wenige Ausnahmen blieben die gemessenen Luftverschmutzungsparameter in den betrachteten acht Jahren im Rahmen der europäischen Grenzwerte. Der Fokus der Forscher lag hingegen auf den dynamischen Effekten: Sie untersuchten, ob sich die Konzentrationen der wichtigsten Luftschadstoffe kurz vor den ersten Herzinfarktsymptomen über einen Zeitraum von 24 Stunden ungewöhnlich stark verändert hatten.





