Schnecken besiedeln nahezu alle Lebensräume unseres Planeten – von der Tiefsee über Wüsten bis zum Hochgebirge. Hinter dem Geheimnis ihres Erfolges steht dabei auch ihre Fähigkeit, mit ihrer Raspelzunge sowohl weiches als auch sehr hartes Futter aufzunehmen. Das Mundwerkzeug besteht aus einem Chitinband, das mit Tausenden winzigen Zähnchen in Längs- und Querreihen besetzt ist.
Raspelorgan und Schaufelbagger in einem
Wenn eine Schnecke frisst, schiebt sie ihre Radula zuerst nach vorne aus dem Mund und drückt einen Teil ihrer Zähnchen auf das Futter. Dann zieht sie die Zunge wieder zurück und reibt dabei mit den Radula-Zähnchen die Nahrung vom Untergrund ab. Wie ein kleiner Schaufelradbagger transportiert die zahnbesetzte Zunge das Futter dann in den Schlund der Schnecke. Dort wird es gegen den starren Kiefer gedrückt, wodurch beispielsweise Blätter und andere größere Pflanzenteile zerrissen werden. Das Interessante dabei: Die Zähnchen der Schnecke sind relativ weich – bei einer Weinbergschnecke haben sie etwa die Härte von Holz. Trotzdem können die Tiere mit ihrer Radula selbst hartes Futter problemlos fressen.
Wie ist das möglich? Um das herauszufinden, haben Wencke Krings vom Centrum für Naturkunde der Universität Hamburg und ihre Kollegen die Arbeitsweise und die Kraft der Radula von Gefleckten Weinbergschnecken (Cornu aspersum) näher untersucht. “Wir wollten uns anschauen, was Schnecken mit ihren Zähnen eigentlich leisten können”, erklärt Krings. Bei den Versuchen trugen sie eine Futterpaste aus Mehl und Karottensaft auf eine durchsichtige Acrylplatte auf, in die ein winziger Kraftsensor eingelassen war. “Es war relativ schwierig, den Versuchsaufbau zu entwickeln, weil wir sichergehen mussten, dass die Schnecke mit nichts anderem als der Radula den Sensor berührt”, so Krings. Eine Kamera zeichnete zusätzlich von unten die Bewegungen der Radula auf.
Überraschend stark
Die Aufnahmen der Kamera enthüllten: “Wenn die Schnecke frisst, spannt sie die Radula wie ein Band, sodass die Zähne etwas abstehen und zum Kratzen genutzt werden können”, berichtet Krings. Da bei berührten nur die äußeren Spitzen der Radulazähnchen den Untergrund. “Wir haben die Zähnchen gezählt, die sich auf der Radula befinden und konnten durch Videoaufnahmen sehen, dass nur etwa 15 Prozent der Zunge überhaupt beim Aufkratzen der Nahrung zum Einsatz kommen. Das entspricht knapp 3300 der insgesamt rund 22.000 Zähne.”





