Hollywood hat die Einschlüsse in Bernsteinen berühmt gemacht: Im Film „Jurassic Park“ nutzten Wissenschaftler Dinosaurierblut aus eingeschlossenen Stechmücken, um die ausgestorbenen Tiere zu klonen. Dabei handelt es sich um reine Fiktion – doch auch in der Realität sind Bernsteinfossilien durchaus faszinierende Grüße aus der Vergangenheit. In den letzten Jahren haben Wissenschaftler über einige Exemplare berichtet, in denen beispielsweise Federn, Pilzen oder urtümliche Insekten eingeschlossen waren. Sie ermöglichten interessante Einsichten in die Entwicklungsgeschichte der Lebewesen. In die Sammlung der besonderen Schmuckstücke reiht sich nun auch der neue Fund ein.
Urahnen heutiger Krabbler
Es handelt sich um einen Bernstein, der aus einer Fundstätte im Libanon stammt. Dort befand sich vor 130 Millionen Jahren ein tropischer Wald, in dem es offensichtlich kreuchte und fleuchte: Zahlreiche Einschlüsse von Insekten sind vom libanesischen Bernstein bekannt. Im aktuellen Fall handelt es sich um Larven urtümlicher Vertreter der Florfliegen (Chrysopidae), berichten die Forscher um Ricardo Pérez-de la Fuente vom Oxford University Museum of Natural History. Eine bei uns häufige Art ist die Grüne Florfliege Chrysoperla carnea, die sich durch ihre netzartigen Flügel auszeichnet. Ihre Larven werden als Blattlauslöwen bezeichnet, da sie mit ihren zangenförmigen Mundwerkzeugen Jagd auf Pflanzenparasiten machen. Offenbar waren auch schon die kreidezeitlichen Vertreter dieser Insektenlarven Räuber, wie die Kieferzangen der winzigen Wesen in dem Bernstein verdeutlichen.
Doch noch interessanter als die Merkmale der Larven selbst waren die „Beifunde“, berichten die Wissenschaftler. Wie ihre detaillierten Untersuchungen enthüllten, sind in dem Bernstein neben den Larven auch Reste von Eierschalen erhalten geblieben. Wie sie erklären, wurde das Ensemble demnach offenbar vom Harz eingeschlossen, als die Larven gerade geschlüpft waren und noch kurz auf ihren Eierschalen sitzen blieben, um auszuhärten.
Ein Eizahn klebte an einer Schale
“Der Prozess des Schlüpfens ist schnell vorbei und die beteiligten Strukturen neigen dazu, schnell zu verschwinden. Daher ist es wirklich außergewöhnlich, ein fossiles Dokument des Schlüpfens zu erhalten”, sagt Co-Autor Michael Engel von der University of Kansas in Lawrence. Besonders freuten sich die Forscher in diesem Zusammenhang über den Fund des winzigen Eizahns.
“Viele Wirbeltiere, aber auch Insekten brechen die Eierschale während des Schlüpfens mit einem Werkzeug auf – ein bekanntes Beispiel ist der Eizahn auf dem Schnabel neugeborener Küken”, erklärt Pérez-de la Fuente. Die heutigen Florfliegenlarven öffnen die Eierschale hingegen mit einem speziellen „Eizahn“ – einer gezackten Klingenstruktur an ihrem Kopf. Nach dem Einsatz wird sie dann wie eine Maske abgeworfen und bleibt an der leeren Eierschale zurück. „Genau solch ein Werkzeug haben wir nun zusammen mit den Neugeborenen im Bernstein entdeckt”, sagt Pérez-de la Fuente.





