Mit Grundschleppnetzen sollen Fische gefangen werden, die sich in der Nähe des Meeresbodens aufhalten, zum Beispiel Kabeljau. Die schweren Netze pflügen dabei durch den Sand und hinterlassen einen Pfad der Verwüstung, darunter zerstörte Korallengärten und Seegraswiesen. Außerdem landet in den bis zu 20.000 Quadratmeter großen Netzen auch allerhand Beifang, für den die Begegnung häufig tödlich endet, darunter Seesterne, Krebse und Schnecken.
Schleppnetze erzeugen CO2
Doch die Grundschleppnetze richten noch weitere gravierende Schäden an. Seit ein paar Jahren ist bekannt, dass die schweren Netze das Sediment des Meeresbodens so sehr durcheinanderwirbeln, dass sich darin gespeicherter Kohlenstoff wieder löst und teilweise in schädliches Kohlendioxid verwandelt. Die auf diese Weise freigesetzte CO2-Menge könnte ähnlich hoch sein wie die jährlichen Kohlendioxidemissionen des weltweiten Luftverkehrs. Damit wäre die Grundschleppnetzfischerei für mehr CO2 verantwortlich als die meisten Länder.
Doch was passiert mit dem Kohlendioxid? Wie viel davon bleibt am Meeresboden oder im Meerwasser und wie viel steigt tatsächlich in die Atmosphäre auf? Das haben Forschende um Trisha Atwood von der Utah State University nun erstmals genauer untersucht. Dafür pflegten sie Daten über die weltweite Grundschleppnetzfischerei zwischen 1996 und 2020 in spezielle Modelle ein und führten damit verschiedene Simulationen durch. Auf diese Weise gelang es Atwood und ihrem Team schließlich, die Verbreitungswege und -mengen des Schleppnetz-CO2 nachzuverfolgen.
„Irreparable Schäden für das Klima“
Das Ergebnis: 55 bis 60 Prozent des durch die Grundschleppnetzfischerei unter Wasser erzeugten Kohlendioxids gelangen innerhalb von neun Jahren in die Atmosphäre, wie die Forschenden berichten. Pro Jahr entspricht das bis zu 370 Millionen Tonnen CO2. Zum Vergleich: Die Kraftstoffverbrennung aller rund vier Millionen Fischereischiffe der Erde emittiert gerade einmal die Hälfte dieser Menge. Doch auch die verbleibenden 40 bis 45 Prozent Kohlendioxid, die nicht in die Atmosphäre aufsteigen, verursachen Schäden, wie Atwood und ihre Kollegen erklären. Denn dieses Rest-CO2 verbleibt im Wasser und führt dort zu einer lokalen Versauerung. Dieser erhöhte Säuregehalt gefährdet wiederum die Tier- und Pflanzenwelt im betroffenen Gebiet.
„Ähnlich wie die Zerstörung von Wäldern verursacht das Auskratzen des Meeresbodens irreparable Schäden für das Klima, die Gesellschaft und die Tierwelt“, fasst Atwood zusammen. Ein erheblicher Teil dieser Zerstörung findet sogar direkt vor unserer Haustür statt. Wie die Forschenden ermittelt haben, sind die Kohlenstoffemissionen durch Grundschleppnetzfischerei in Ost- und Nordsee besonders hoch. Auch das Ostchinesische Meer und die Grönlandsee gehören zu den Hauptquellen dieser fischereibedingten CO2-Emissionen. Um dem Klimawandel effektiv entgegenzuwirken, muss daher ein Umdenken in der Fischerei her, sagt Seniorautor Enric Sala von der National Geographic Society. „Die gute Nachricht ist, dass die Verringerung der Kohlenstoffemissionen der Grundschleppnetzfischerei sofortige Vorteile bringt. Die schlechte Nachricht ist, dass ein Hinauszögern von Maßnahmen dafür sorgt, dass die Emissionen aus der Schleppnetzfischerei auch in zehn Jahren noch in die Atmosphäre gelangen werden“, so Sala.





