Wo sie sind, geht gar nichts mehr: Noroviren tauchen scheinbar aus dem Nichts auf, verbreiten sich wie ein Buschfeuer und schalten die Erkrankten durch heftige Brechdurchfälle für ein bis zwei Tage völlig aus. Doch damit nicht genug, zeigt jetzt eine Studie eines kanadischen Forscherteams um Julie Jean von der Université Laval in Québec: Wer glaubt, seine Angehörigen durch sorgfältiges Putzen vor der Ansteckung schützen zu können, irrt. Denn viele handelsübliche Desinfektionsmittel können den Viren nichts anhaben. So gelang es von drei getesteten Haushaltsreinigern lediglich einem chlorhaltigen Produkt, die Zahl der Viren messbar zu verringern.
„Noroviren sind extrem widerstandsfähig”, erklärt Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit an der Universität Bonn. Sie können beispielsweise problemlos drei Wochen auf einer Oberfläche überdauern. Dazu kommt, dass schon 10 bis 100 Viruspartikel einen Menschen krank machen können. „Wer Erbrochenes lediglich mit Wasser und Seife beseitigt, verteilt die Viren also nur”, sagt der Hygiene-Spezialist. Er empfiehlt daher, im Fall einer Norovirus-Infektion beim Putzen auf jeden Fall Handschuhe zu tragen und die beschmutzten Flächen anschließend zu desinfizieren – entweder mit einem chlorhaltigen Präparat oder mit speziellen Desinfektionstüchern aus der Apotheke.
Welche Mittel den Erregern am effektivsten den Garaus machen, wissen bislang selbst die Experten nicht. Denn Noroviren lassen sich im Labor nicht kultivieren. Exner ist aber zuversichtlich, dass es bald neue Daten geben wird: „Seit Kurzem steht uns ein verwandtes Virus zur Verfügung, an dem wir die Putzmittel systematisch testen können.”





