Nicht nur wir Menschen, sondern auch einige Tiere können gezielt Werkzeuge einsetzen – darunter unsere nächsten Verwandten. So nutzen Schimpansen zum Beispiel Stöckchen, um Ameisen aus deren Bau zu angeln, oder breite Rindenstücke, um Honig wie mit einem Löffel aus Bienennestern zu schöpfen. Ebenfalls unter Schimpansen weit verbreitet ist das Knacken von Nüssen mit Steinen. In die Wahl eines solchen Steinhammers investieren die Primaten häufig viel Zeit.
Was einen effizienten Nussknacker ausmacht
Doch kann jeder Schimpanse etwa gleich gut mit Werkzeugen umgehen oder gibt es genau wie bei uns Menschen Unterschiede in der individuellen Begabung? Um das herauszufinden, haben Forschende um Sophie Berdugo von der University of Oxford nun über 800 Stunden Videomaterial ausgewertet, das wildlebende Schimpansen in Guinea beim Knacken von Nüssen zeigt. Insgesamt kamen so fast 4.000 Knackvorgänge von 21 Tieren zusammen, die in einem Zeitraum von 25 Jahren stattgefunden haben.
Um beurteilen zu können, ob es unter diesen Schimpansen bessere und schlechtere Nussknacker gibt, stellte das Team fünf Kriterien für effiziente Arbeit auf. Dazu gehörten die Dauer eines Nussknackvorgangs, die Anzahl der Schläge pro Nuss, die Erfolgsrate, die Anzahl der Fälle, in denen ein Schlag die Nuss verschob oder wegschleuderte, und die Anzahl der Fälle, in denen die Schimpansen ihre Werkzeuge wechselten.
Eine Frage des Talents und der Übung
Das Ergebnis: Bei vier dieser fünf Kriterien konnten Berdugo und ihr Team individuelle Unterschiede zwischen den verschiedenen Schimpansen beobachten. So knackte der 14-jährige Schimpanse Peley zum Beispiel direkt zwei Nüsse nacheinander, während der 32-jährige Foaf nur mit einer einzigen Nuss klarkam und der 15-jährige Jeje nicht einmal das hinbekam. Auch gab es Fälle, in denen ein Schimpanse doppelt so lange zum erfolgreichen Knacken benötigte wie ein anderer. Lediglich die Rate, mit der die Primaten Werkzeuge wechselten, schien keinen individuellen Unterschieden unterworfen zu sein.
Die Forschenden vermuten, dass kompetente Nussknacker über bessere kognitive oder motorische Fähigkeiten verfügen als weniger begabte Artgenossen. Gleichzeitig beobachteten Berdugo und ihre Kollegen auch, dass Erfahrung eine große Rolle zu spielen scheint. Denn bis zum Alter von elf Jahren verbesserte sich die Effizienz der Schimpansen im Nussknacken stetig. „Obwohl der anfängliche Erwerb der Fertigkeit auf sozialem Lernen von sachkundigen Gruppenmitgliedern beruht, wird die Fertigkeit des Einzelnen durch Üben in der Subadultphase verfeinert“, schreiben die Forschenden. An der eigenen Nussknacker-Karriere zu feilen, bringt den Tieren auch evolutionäre Vorteile. Denn gewandte Schimpansen können mit weniger Energieaufwand an mehr Nahrung gelangen, wie das Team erklärt.





