In Matthew Buffingtons Lieferwagen lagerte eine besondere Fracht, als er im September 2015 durch die USA tourte: tote Insekten, rund 3,5 Millionen. Sie stammten aus Sammlungen naturkundlicher Museen. Sein Motiv: unbeschriebene Gallwespenarten aufspüren. Deshalb fuhr der Insektenforscher, der am Institut für systemische Insektenkunde des US-Landwirtschaftsministeriums arbeitet, mehr als 11 000 Kilometer quer durch Nordamerika. In Christopher Kemps Buch wimmelt es von Forscherpersönlichkeiten wie Buffington und ihren zuweilen kuriosen Vorhaben im Dienste der Biologie. In den Fokus nimmt der US-amerikanische Wissenschaftsjournalist dabei die Bemühungen um die Erforschung der weltweiten Artenvielfalt. Denn diese liegt, kurz gesagt, im Dunkeln. Schätzungsweise kennen wir gerade ein Fünftel aller biologischen Arten auf der Erde. Gleichzeitig schlummert in Museen und Biobanken ein riesiger Schatz, viel zu groß als dass ihn Taxonomen und Kuratoren beschreiben könnten. Kemp hat sich auf die Spuren lange unbeachteter Sammlungsstücke gemacht, erzählt ihre Geschichten sachkundig verknüpft mit Kenntnissen aus Wissenschaftsgeschichte, Taxonomie und Evolutionsbiologie. Teilweise verliert er sich dabei aber zu sehr in Details, was die Lektüre langatmig macht. Dennoch eine wichtige Würdigung naturkundlicher Museumsschätze und ihrer Hüter.
Christopher Kemp
Die verlorenen Arten
Große Expeditionen in die Sammlungen naturkundlicher Museen
Kunstmann. 288 Seiten, 25 €





