Blumenkohl und Co sowie Raps, Senf, Meerrettich…: Viele Vertreter der Kohlgewächse (Brassica) sind wichtige Nutz- und Nahrungspflanzen des Menschen. Sie schmecken allerdings nicht nur uns gut: Auf ihre Blätter haben es auch einige Insektenarten abgesehen. Die Kohlgewächse sind ihnen allerdings nicht hilflos ausgeliefert. Beißen Insekten in ihre Blätter, bilden sie sogenannte Isothiocyanate, die den Angreifern schlecht bekommen und deren Geruch sie zudem abschreckt. Doch bei einem der schlimmsten Schädlinge im Anbau von Kohlgewächsen versagen diese pflanzlichen Abwehrstoffe: Die Kohlmotte (Plutella xylostella) hat im Laufe der Evolution Resistenz gegen dieses Verteidigungssystem entwickelt und kann dadurch die Vertreter der Kohlgewächse erfolgreich befallen. Ihre Raupen können ohne Bekämpfungsmaßnahmen große Schäden in der Landwirtschaft verursachen.
Abwehrstoff fungiert als Lockstoff
Es gab bereits frühere Studien, aus denen hervorging, dass die Schädlinge die Abwehrstoffe nicht nur gut vertragen, sondern sogar attraktiv finden. Die Wissenschaftler um Shuang-Lin Dong von der Landwirtschaftlichen Universität in Nanjing haben nun untersucht, inwieweit die Kohlmotte die Isothiocyanate tatsächlich als Dufthinweise nutzt, um ihre Wirtspflanzen zu finden, und vor allem, welche molekularen Mechanismen dem Konzept zugrunde liegen. Zunächst führten die Wissenschaftler Versuche durch, um die Lockwirkung der Isothiocyanate auszuloten. „Wir konnten durch Verhaltensexperimente mit weiblichen Kohlmotten zeigen, dass drei bestimmte Isothiocyanate Schlüsselsignale für die Eiablage darstellen,” berichtet Shuang-Lin Dong.
Anschließend gingen die Wissenschaftler der Frage nach, welche Sensoren der Insekten für die Wahrnehmung dieser Substanzen verantwortlich sind. Sie erfassten dazu zunächst alle Geruchsrezeptoren, die speziell bei den weiblichen Faltern gebildet werden. Die Gene dieser Rezeptoren exprimierten sie dann in Eizellen von Fröschen, um Versuche mit den gebildeten Sensoren durchführen zu können. „Durch diese Methode konnten wir bestimmen, welche der einzelnen Geruchsrezeptoren auf welchen Duft reagieren. Es zeigte sich, dass die Rezeptoren OR35 und OR49 speziell auf die drei Isothiocyanate ansprechen, die wir zuvor als entscheidend für die Eiablage identifiziert hatten”, sagt Co-Autor Markus Knaden vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena. Auf andere Pflanzenduftstoffe oder die Sexuallockstoffe der Falter reagierten die beiden Rezeptoren hingegen nicht, zeigten die Experimente.





