„Peronospora aquilegiicola gehört zu den Oomyceten“, erklärt Marco Thines vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. „Obwohl sie wie Pilze aussehen, sind diese Organismen näher mit Braun- und Kieselalgen verwandt.“ Die Sporen können einerseits im Boden überwintern oder frei beweglich durch den Wind Verbreitung finden, indem sie in die Spaltöffnungen von Pflanzenblättern eindringen. Dort bilden sie zwischen den Zellen ein Pilzgeflecht aus, entnehmen der Pflanze ihre Nährstoffe und schädigen sie dadurch.
Anders als häufig angenommen, spezialisiert sich der Schädling nicht auf ganze Pflanzenfamilien, sondern auf einzelne Arten. Davon betroffen sind zum Beispiel Arten der Hahnenfuß-, Fuchsschwanz- oder Nelkengewächse. Forscher stellten auch schon Wirtssprünge fest. Falscher Mehltau verbreitet sich vor allem unter feuchtwarmen Bedingungen im Feld und auch in Glashauskulturen. So gab es bereits weltweit verbreitete Infektionen wie beispielsweise auf Basilikumpflanzen.
Erster Fund auf deutschem Boden
Nun erregt der Fund eines derartigen Pilzbefalls auf Akeleien-Pflanzen in Deutschland Aufsehen: In einem Garten in Niedersachsen fielen bereits 2019 erste Symptome eines möglichen Pflanzenschädlings auf. Dieses Jahr stellten die Gärtner nun einen deutlichen Pilzbefall fest, der sich durch „Falschem Mehltau“ auf ihren Akeleien bemerkbar machte. Mit ihren rosa bis violett-farbenen Blüten sind die langstieligen Akeleien besonders im Frühjahr ein echter Hingucker. Bei einer Akelei, die mit Peronospora aquilegiicola infiziert ist, verfärben sich die Blätter zunächst gelblich und werden später violett. Die Blattränder rollen sich nach außen. Langfristig sterben von Peronospora aquilegiicola befallene Akeleien ab.
Ein Forscherteam um Thines führte nun zur weiteren Untersuchung des Schädlings eine nähere Analyse durch: Sie sammelten einige der infizierten Exemplare und trockneten sie. Daraufhin beträufelten die Forscher die Oberfläche der befallenen Blätter mit einer 70-prozentigen, wässrigen Milchsäurelösung. Unter einem Mikroskop mit 400-facher Vergrößerung stellten sie schließlich fest, dass sich an der Blattunterseite der Pflanzen ein beiger bis violetter Belag aus Sporen des Oomyceten bildet. Diese verbreiten sich durch Wind oder Regenwasser-Spritzer. Unklar war aber noch, um welche Art des Schädlings es sich bei dem Pilzbefall in Deutschland handelt. Um herauszufinden wie der Schädling nach Deutschland gelang, unternahmen die Wissenschaftler schließlich genetische Analysen der vorliegenden Blattproben.
Die Herkunft im Blick
Das Ergebnis: Die untersuchten Gensequenzen zeigten, dass es sich überraschenderweise um die Art Peronospora aquilegiicola handelt. Das entspricht der gleichen Art, die vor sieben Jahren bereits nach Westeuropa Einzug fand. Diese auf Akeleien spezialisierte Art kommt ursprünglich aus Ostasien und tauchte in Europa bislang nur 2013 in Großbritannien und Wales auf. „Seitdem hat sie sich auf der britischen Insel rasant ausgebreitet und dort einen Großteil der Akeleien in öffentlichen Parks auf dem Gewissen“, berichtet der Experte Thines. Dort konnte sie zwar großflächig vernichtet werden. Dennoch scheint der in Deutschland bisher nicht-heimischen Pflanzenschädling demnach den Sprung nach Kontinentaleuropa geschafft zu haben.





