Weiß und hochporös ist ein kleiner Block aus dem Material Methyltriethoxysilan. Dennoch stößt der Werkstoff Wasser vehement ab, so dass es abperlt. Ab einer Sprungtemperatur von rund 400 Grad Celsius ändert sich das schlagartig. Die Substanz wird plötzlich wasserliebend ? hydrophil ? und saugt sich voll.
“Wir hatten nicht vorhersagen können, wie stark dieser Effekt war, bevor wir es sahen”, sagt Carole Perry von der britischen Nottingham Trent University. So reagierte ein Stück ihres Materials in einem Ofen bis 390 Grad Celsius überhaupt nicht. Ein rosa eingefärbter Wassertropfen blieb stabil und verdampfte nach und nach. Bei 400 Grad dagegen wurde er plötzlich von dem Probestück wie ein Schwamm aufgesaugt und verteilte seinen Farbstoff fast über die gesamte Probe. (Bild)
Die Ursache sehen die Forscher, die den Effekt auch theoretisch analysiert haben, in hydrophoben Methylgruppen. Wie ein Schutzfilm verhindern diese Gruppen das Eindrungen von Wasser. Bei 400 Grad jedoch ändert sich die chemische Zusammensetzung und die Methylgruppen lösen sich. Ohne diesen Schutzfilm kann die Flüssigkeit ungehindert aufgesaugt werden.
Eine konkrete Anwendung können sich Perry und Kollegen bisher noch nicht vorstellen. Doch mindert das nicht ihre Begeisterung an dieser eigentümlichen Materialeigenschaft. Zumindest einen Temperatursensor für Öfen, der auf eindringende Flüssigkeit reagiert, halten sie für möglich. Doch vielleicht finden sich noch weitere Anwendungsmöglichkeiten, wenn es ihnen gelingt, dieses Material nicht nur in Blockform, sondern auch als dünne Beschichtung herzustellen.
Carole Perry (Nottingham Trent University) et. al.: Chemical Communications, 2005, (25), S. 3135.
Jan Oliver Löfken





