Vor fast zehn Jahren sorgte das Projekt Desertec für Aufsehen und heftige Diskussionen. Denn Ziel dieses ambitionierten Plans war es, einen Großteil des in Europa benötigten Stroms in der Sahara zu produzieren – durch Dutzende große Solaranlagen in der Wüste. Bis zu 50 solarthermische Kraftwerke wollte die Desertec-Initiative bis zum Jahr 2050 in verschiedenen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens bauen. Sie sollten jeweils eine Leistung von 50 bis 200 Megawatt besitzen und ihren Strom in ein neues afro-europäisches Supernetz einspeisen. Die Vorteile schienen dabei auf der Hand zu liegen: Die Wüste ist kaum besiedelt, Platz gäbe es daher genug. Außerdem scheint die Sonne dort das ganze Jahr hindurch und der Weg zu den Stromabnehmern in Europa und im Nahen Osten ist nicht übermäßig weit. Inzwischen allerdings ist von diesen ehrgeizigen Plänen nichts mehr zu hören, auch wenn vereinzelt neue Solaranlagen in Nordafrika im Bau sind.
Klimaeffekt untersucht
Interessanterweise haben nun Yan Li von der University of Illinois und seine Kollegen eine Variante dieser Idee aufgegriffen: Sie haben untersucht, welche klimatischen Folgen es hätte, wenn man ausgedehnte Areale der Sahara für Windkraft und Solarenergie nutzen würde. “Frühere Modellstudien haben gezeigt, dass großräumige Wind- und Solarfarmen eine signifikante Klimawirkung auf kontinentaler Ebene ausüben können”, erklärt Li. So führen die Turbulenzen großer Windanlagen beispielweise dazu, dass sich Luft und Boden in der Umgebung der Windparks nachts nicht so stark abkühlen. Auch der Wind wird abgebremst. Solaranlagen wiederum verringern die Albedo – das Reflexionsvermögen – der Erdoberfläche und können so aufheizend wirken.
Für ihre Studie haben die Forscher in einer Modellsimulation untersucht, ob und wie sich Temperaturen, Wind und Niederschläge in der Sahara und in der Sahelzone verändern würden, wenn man dort großflächig Wind- und Solaranlagen installieren würde. Erstmals berücksichtigten sie bei ihrer Simulation auch, welche Auswirkungen die lokalen Klimaänderungen auf die Vegetation der Region hätten und welche Rückkopplungen aufs Klima dadurch auftreten. “Die von uns simulierten Wind- und Solaranlagen würden rund neun Millionen Quadratkilometer Fläche bedecken und 79 Terawatt Strom erzeugen – das ist weit mehr als weltweit aktuell benötigt wird”, sagt Li.
Mehr Regen und mehr Pflanzenwuchs






