Deutschland hatte zu der Sondersitzung eingeladen und als Gastgeber zum Auftakt die Bedeutung des Meeresschutzes in der Antarktis unterstrichen. Auf der Sondersitzung in Bremerhaven verhandelten die 24 Mitgliedsstaaten sowie die EU über zwei Anträge: Der erste von den USA und Neuseeland sah vor, im Rossmeer eine Fläche von 2,3 Millionen Quadratkilometer als Meeresschutzgebiet auszuweisen, einschließlich einer 1,6 Millionen Quadratkilometer großen Zone, die für kommerzielle Fischerei gesperrt sein soll. Der zweite Vorschlag von Australien, Frankreich und der EU bezog sich auf sieben Meereszonen mit einer Gesamtfläche von 1,63 Millionen Quadratkilometern, die in den Küstengewässern der Ostantarktis geschützt werden sollten.
“Das Auftreten der russischen Delegation hat den Fortschritt zum Schutz des Rossmeeres und der Ostantarktis blockiert, und ihre Glaubwürdigkeit bei der internationalen Zusammenarbeit untergraben. Damit fehlen die wichtigsten Voraussetzungen für den globalen Schutz der Meere”, sagt Dr. Rodolfo Werner vom Pew Charitable Trust. “Es ist äußerst wichtig, dass die Mitgliedsländer nunmehr ihre Vertreter zu den nächsten Verhandlungen in Hobart schicken, um den Schutz eines der unberührtesten Meere der Erde zu garantieren.”
“Wir erkennen das Engagement derjenigen Mitglieder von CCAMLR an, die bis zuletzt versucht haben, eine Lösung für die Einrichtung der Meeresschutzgebiete in der Antarktis zu finden. Wir sind jedoch zutiefst enttäuscht darüber, dass vor allem Russland, aber auch andere Länder die Verhandlungen blockierten. So wurde eine historische Chance für den Meeresschutz vertan”, sagt Fabian Ritter, Kampagnenleiter von Whale and Dolphin Conservation (WDC).
“Auf dem nächsten regulären Treffen im Oktober in Hobart in Australien erwarten wir von allen Mitgliedern der CCAMLR, dass konstruktive Wege gefunden werden, um die Einrichtung von Meeresschutzgebieten ermöglichen.”
“Die Meere, einschließlich des Südpolarmeers, geraten zunehmend durch industrielle Ausbeutungspläne unter Druck. Die letzten fast unberührten Gebiete wie das Rossmeer oder die östliche Antarktis brauchen dringend unseren Schutz”, sagt Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace. “Viele CCAMLR-Mitgliedsstaaten haben ernsthafte Bemühungen und wissenschaftliche Arbeit eingebracht, um so weit zu kommen. Die russische Delegation muss jetzt sicherstellen, dass die Schutzgebietsvorschläge beim nächsten Treffen angenommen werden, um bei der nächsten Sitzung in Hobart das weltweit größte Netzwerk an Meeresschutzgebieten zu beschließen.”
Der antarktische Ozean ist Heimat für mehr als 10.000 Arten, darunter die meisten Pinguine der Welt, Wale, Seevögel, Koloss-Kalmare sowie der kommerziell gefragte Riesen-Antarktisdorsch. “Die Regionen sind für die Wissenschaft von entscheidender Bedeutung. Ohne die Schutzgebiete fehlt es an Referenzzonen, um die Auswirkungen des rasanten Klimawandels studieren zu können. Ohne ein Verbot der Überfischung fehlt der Wissenschaft die wichtige Information, wie ein intaktes polares Ökosystem funktioniert”, sagte Dr. Onno Groß, Direktor von Deepwave.





