Mammuts hatten wegen eines Gendefekts teilweise ein helles statt ein dunkles Fell. Das haben europäische Forscher herausgefunden, als sie das Gen MC1R der Rüsseltiere untersuchten. Dieses Gen ist bei Säugetieren für die Haarfarbe zuständig. Ist es nicht vollständig aktiv, bekommen Menschen rote, Mäuse blonde Haare. Welche Vorteile helle Haare für die Mammuts brachten, darüber können die Forscher bisher nur spekulieren.
Das Gen für den so genannten Melanocortin-Typ-1-Rezeptor (MC1R) ist eines von mehreren Genen, die bei vielen Säugetierarten die Haarfarbe bestimmen. Frühere Studien hatten gezeigt, dass eine leichte Veränderung des Erbguts durch eine andere Abfolge der einzelnen Genbausteine zu einer geringeren Aktivität dieses Gens führt. Dies hat bei Menschen und Kühen rote Haare zur Folge, bei Mäusen, Pferden und Hunden wächst gar ein blondes Fell.
Nachdem im Permafrostboden Sibiriens sowohl dunkle als auch helle Mammuthaare gefunden worden waren, vermuteten Fachleute, dass auch bei diesen Tieren zwei Genvarianten vorkamen. Mit den zur Verfügung stehenden Methoden war es bislang aber nicht gelungen, das vollständige Erbgut ausgestorbener Tiere zu untersuchen. Eine neu entwickelte Technik ermöglichte es den Forschern nun aber, die kurzen Bruchstücke des MC1R eines rund 43.000 Jahre alten Mammuts aus Sibirien zu einem vollständigen Gen zusammenzusetzen. Die Mammuts hatten vermutlich zwei verschiedene Genvarianten, von denen eines vollständig, das andere aber nur teilweise aktiv war, stellten die Wissenschaftler fest. Dementsprechend hatten Individuen mit der ersten Genvariante ein dunkles, solche mit der zweiten jedoch ein helles Fell.
Erstaunlicherweise hätten hellhaarige Weißfußmäuse an derselben Stelle wie die Mammuts eine leicht veränderte Abfolge der einzelnen Bausteine des MC1R-Gens, schreiben die Forscher, was ebenfalls zu einer reduzierten Genaktivität führt. Diese blonden Mäuse sind im Sand besser vor den Blicken von Eulen und Falken geschützt als ihre dunkelhaarigen Artgenossen, hatten Wissenschaftler beobachtet. Ob auch bei den Mammuts die hellhaarigen Tiere einen Überlebensvorteil gegenüber ihren dunklen Verwandten hatten, ist unklar. Mit der neuen Methode lassen sich künftig verschiedene Gene ausgestorbener Arten untersuchen. Die Fachleute erhoffen sich dadurch neue Erkenntnisse über das Aussehen der Tiere, was anhand der Fossilien allein bislang nicht möglich war.
Holger Römpler (Universität Leipzig) und Michael Hofreiter (Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie, Leipzig) et al.: Science (Bd. 313, S. 62) ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi





