Es trifft viele Bewohner von Bangladesch, Pakistan oder den Südsee-Atollen, aber auch die dichtbesiedelten Küstenregionen Südostasiens oder der westlichen Industrieländer: Durch den steigenden Meeresspiegel, stärker werdende Stürme sowie intensivere und häufigere Starkregen erleben sie immer häufiger schwere Überschwemmungen. In vielen Gebieten verschärft zudem eine Bodenabsenkung durch ungünstige geologische Bedingungen und zu starke Grundwasserentnahme diesen Trend. Forscher schätzen, dass tausende Tropeninseln schon Mitte dieses Jahrhunderts unbewohnbar werden könnten. Im Mississippi-Delta und an der US-Ostküste drohen schon jetzt einige Landgebiete im Wasser zu versinken. Zwar lässt sich das Vorrücken des Wassers in vielen Gebieten durch verbesserte Küstenschutzmaßnahmen wie Sperrwerke und höhere Deiche aufhalten. Gerade ärmeren Ländern jedoch fehlt dafür das Geld.
“Wir müssen aufhören, unsere Beziehung zur Natur als Krieg zu sehen”
Wie aber kann man langfristig mit diesen Klimafolgen umgehen? Auf diese Frage haben nun A.R Sniders von der Harvard University und zwei Kollegen eine provokante Antwort: Ihrer Ansicht nach ist ein geordnete Rückzug die einzige Möglichkeit, auf lange Sicht die einzige sinnvolle Reaktion auf die Herausforderungen des Klimawandels. “Angesichts der globalen Erwärmung, steigender Meeresspiegel und den sich verschärfenden Wetterextremen ist die Frage nicht mehr, ob sich einige Kommunen zurückziehen müssen, sondern nur noch wann, wo und wie dies geschehen wird”, so die Forscher. Bisher sei ein solcher Rückzug immer nur als Mittel der letzten Wahl angesehen worden, als eine einmalige Notfall-Maßnahme nach Katastrophen. So wurden beispielsweise nach dem Sturm Sandy auf Staten Island in New York einige ufernahe Gebiete nicht wiederbesiedelt. Auch nach Evakuierungen wegen schwerer Überschwemmungen kehren nicht immer alle Menschen wieder in ihre alten Häuser zurück.
Doch solche ungeordneten, kurzfristigen Maßnahmen sind nach Ansicht der Forscher weder sozial noch wirtschaftlich verträglich. Sie plädieren dafür, sich schon jetzt darauf einzustellen, dass einige gefährdete Küsten langfristig ganz aufgegeben werden müssen. “Gegen den Ozean zu kämpfen ist eine vergebliche Mühe”, sagt Sniders. “Der einzige Weg, gegen das Wasser zu gewinnen, ist nicht dagegen anzukämpfen. Wir müssen aufhören, unsere Beziehung zur Natur als Krieg zu sehen.” Wenn der Meeresspiegel steige und Sturmfluten die Küstenebenen überschwemmen, dann müsse man sich eben zurückziehen. Für viele Regionen könnte es langfristig gerechter, verträglicher und finanziell sicherer sein, ein gefährdetes Gebiet aufzugeben, statt immer mehr Geld in Schutzmaßnahmen zu stecken, die dann doch irgendwann versagen.





