Interview: Patrick Vetter
natur: Herr Anders, wieso brauchen wir den Luchs in Deutschland?
Ole Anders: Gegenfrage: Wozu brauchen wir den Kölner Dom? Die Raubtiere sind nun mal da. Sie sind Teil unseres Naturerbes. Deshalb haben wir die Verpflichtung, sie so weit möglich zu erhalten. Das gilt für unsere gesamte Biodiversität und damit auch für einige unbequeme Arten. Dem Luchs sehen wir momentan in Europa bei seinem zweiten Aussterben zu. Wir haben die Verantwortung, das zu verhindern.
Unbequeme Arten? Was meinen Sie damit?
Als unbequem bezeichne ich die Arten, die wirtschaftliche Ziele infrage stellen. Beim Luchs ist das so, weil er gelegentlich Nutztiere reißt. Schafe, Ziegen und Wild im Gehege. Das ist selten, doch dabei entstehen Schäden für Tierhalter. Außerdem ist der Luchs ein Rehjäger. Er nutzt große Beutetiere, an denen auch wir Menschen Interesse haben. Das erzeugt Konflikte mit Landwirten und Jägern. Die müssen wir bearbeiten. Für diese deshalb unbequeme Art müssen wir viel Akzeptanzarbeit leisten.
Dies scheint Ihnen zu gelingen. Die Wiederansiedlung des Luchses im Harz ist ein Erfolgsprojekt. Wie wichtig ist Zusammenarbeit dabei?
Der Erfolg hängt von vielen Faktoren ab. Grundvoraussetzung ist jedoch die Akzeptanz des Luchses in der Bevölkerung, bei den Landwirten und besonders bei den Jägern. Ein positives Beispiel dafür ist ein Luchsprojekt in Slowenien. Das war eine der ersten und erfolgreichsten Wiederansiedlungen in Europa. Dort trägt die Jägerschaft das Projekt aktiv mit. Die Jäger bemühen sich etwa darum, Auswilderungsgehege in ihren eigenen Revieren zu haben. Als das Projekt 1999 in Niedersachsen politisch entschieden wurde, war ebenfalls klar, dass das nur im Miteinander funktionieren kann. Die Landesjägerschaft war und ist Teil des Projekts. Die Jäger finanzieren und tragen das mit. Diese Partnerschaft existiert seit fast 25 Jahren. Es ist ein Jägerprojekt und das macht den Erfolg aus.
Wie sieht die Mitarbeit der Jägerschaft genau aus?
Der Verband ist als Träger involviert. Zum Beginn gab es lange eine Arbeitsgruppe, in der wichtige Schritte diskutiert und entschieden wurden. Wir haben in den lokalen Jägerschaften Luchsbeauftragte. Diese unterstützen das Monitoring, liefern also Daten über Luchsnachweise.





