Durch ein winziges RNA Molekül (Let-7) wird die zeitliche Entwicklung des Rundwurms Caenorhabditis elegans vom Larvenstadium zum erwachsenen Tier gesteuert. Jetzt konnten amerikanische WissenschaftlerIn die steuernde RNA Sequenz in vielen anderen Tiergruppen nachweisen. Vielleicht sei diese Art der Entwicklungssteuerung sogar universell, schreiben sie in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsjournals Nature.
Die Entwicklung von Organismen wird durch spezielle Gene gesteuert. Diese Gene werden zum richtigen Zeitpunkt abgelesen, das heißt in Boten-RNA übersetzt, wovon die entsprechenden Proteine produziert werden. Die Proteine schließlich greifen in die Entwicklung ein. Wie aber bestimmt das Tier den richtigen Zeitpunkt? Woher weiß beispielsweise eine Larve, wann sie sich in einen Wurm verwandeln muss? Bereits im Februar veröffentlichte eine Forschergruppe in Nature, wie das Gen Let-7 die Entwicklung des Rundwurms Caenorhabditis elegans zeitlich steuert. Die Boten-RNA dieses Gens wird nicht in ein Protein übersetzt, sondern interferiert mit den Boten-RNAs anderer Gene und verhindert deren Aktivierung. So blockiert Let-7 insbesondere Gene, die Entwicklungsschritte verhindern, und treibt über diesen Mechanismus die Entwicklung voran. Let-7 wirkt also wie ein Zeitnehmer der kontrolliert, wann ein Organismus von einer Entwicklungsphase zur nächsten wechselt. Was aber aktiviert Let-7? Diese Frage ist noch ungelöst.
Jetzt zeigte ein Wissenschaftlerteam vom Massachusetts General Hospital und der Havard Medical School, dass die Let-7 RNA Sequenz im Erbgut aller Tiere vorkommt, deren linke und rechte Körperhälfte übereinstimmen. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass Let-7 bereits in dem frühesten gemeinsamen Vorfahren dieser symmetrischen Tiere vorhanden war. Die einzigen Vielzeller, bei denen die Sequenz nicht gefunden wurde, sind Organismen wie Quallen und Schwämme, die nicht spiegelbildlich aufgebaut sind.
Ralf Möller





