Egal ob man Ökostrom oder „normalen“ Strom bezieht: Aus der Steckdose kommt immer ein Mix aus verschiedenen Arten der Stromerzeugung. Einmal pro Halbjahr ermittelt das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, wie sich dieser Strommix in den vergangenen sechs Monaten zusammengesetzt hat. Man spricht auch von der Nettostromerzeugung. Die Daten dafür gehen aus der Plattform Energy-Charts hervor.
Erneuerbare Energien boomen
Für das erste Halbjahr 2023 hat das Fraunhofer-Institut einen Rekordanteil an erneuerbaren Energien verzeichnet. Demnach lag der Ökostromanteil bei der Nettostromerzeugung in Deutschland erstmals bei 57,7 Prozent. Das heißt, wer in den vergangenen Monaten sein Handy an der Steckdose lud, tat dies zu circa 60 Prozent mit erneuerbaren Energien. Deutschlandweit entspricht dieser neue Rekordanteil rund 130 Terrawattstunden (TWh). Davon gehen 67 TWh auf das Konto der Windenergie, 30 auf das der Photovoltaikanlagen, 21 auf das der Biomasse und 9,3 stammen aus Wasserkraftwerken.
Am vierten Mai stellte die Solarenergie außerdem einen weiteren Rekord auf, indem sie erstmals mehr als 40 Gigawatt Leistung ins deutsche Netz eingespeist hatte. Was den Bau weiterer Photovoltaikanlagen betrifft, so ist Deutschland laut Fraunhofer-Institut aktuell auf dem besten Weg, seine Klimaschutzziele zu erreichen. Allein von Januar bis Mai sei eine Leistung von fünf Gigawatt hinzugebaut worden, womit das Photovoltaik-Gesamtziel für dieses Jahr in Höhe von neun zusätzlichen Gigawatt in greifbare Nähe rückt. Der Windausbau hingegen hinke aktuell noch hinterher. Von den geplanten plus vier Gigawatt sei bis Ende Mai gerade einmal ein Gigawatt erreicht worden.

Kohle auf dem Rückzug, sinkende Preise
Der Aufschwung der erneuerbaren Energie geht mit dem Rückgang anderer Formen der Stromerzeugung einher. So ist die Stromproduktion aus Braunkohle laut Fraunhofer-Institut im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022 um 21 Prozent zurückgegangen, die aus Steinkohle um 23 Prozent. Strom aus Erdgas hat um vier Prozent abgenommen, die Stromerzeugung aus Kernenergie um 57 Prozent. Zusammengenommen erzeugten diese Arten der Stromproduktion im vergangenen Halbjahr 91,4 TWh.
Der starke Rückgang in der Kernenergie ist durch den Ausstieg aus der Kernenergie und auf die Abschaltung der letzten Atomkraftwerke – Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 – im April 2023 zurückzuführen. Die dabei weggefallene Leistung in Höhe von 30 TWh ist dem Fraunhofer-Institut zufolge aber erfolgreich kompensiert worden. Ein ohnehin geringerer Verbrauch, verringerte Exporte, gesteigerte Importe sowie der Zubau von Solar- und Windkapazität hätten demnach zu einem Ausgleich geführt.





