Der Flaschenkürbis ist eine einjährige Kletterpflanze, deren Sprosse eine Länge von zehn Metern erreichen können. Je nach Zuchtsorte besitzen die Früchte eine große Vielfalt an Formen, Farben und Größen. Die Rinde, die das essbare Fruchtfleisch umschließt, ist verholzt, was sie wasserdicht und lange haltbar macht. Diese Eigenschaften wussten die Menschen schon sehr früh für ihre Zwecke zu nutzen – der Flaschenkürbis gehört zu den ältesten und weit verbreitetsten Kulturpflanzen der Menschheit: Das Fruchtfleisch und die Sprosspitzen werden als Gemüse verzehrt und aus den gemahlenen Kernen lässt sich ein nahrhafter Brei herstellen. Doch die vielseitigsten Anwendungsmöglichkeiten bietet die Hülle : Die ausgehöhlten Früchte wurden und werden als Behälter für Nahrungsmittel und Flüssigkeiten verwendet. Auch Musikinstrumente, wie Rasseln, Trommeln und Saiteninstrumente, werden aus Flaschenkürbissen hergestellt. In mehreren Gebieten der Erde entstand auch die Tradition, Flaschenkürbisse mit Schnitzereien zu verzieren. Die Tradition der Inka wird heute noch in Peru fortgeführt. Auch eine seltsam anmutende Nutzung länglicher Kürbissorten ist weit verbreitet: Bei Naturvölkern Neuguineas, Südamerikas und Afrikas werden Flaschenkürbisse bis heute als Penisfutterale verwendet.
Mitbringsel oder selbst verbreitet?
Man geht heute davon aus, dass der Flaschenkürbis ursprünglich aus Afrika stammt und sich von dort ausgebreitet hat beziehungsweise durch Menschen verbreitet wurde. Die ältesten Hinweise auf eine Nutzung durch den Menschen stammen aus Asien (vor etwa 11.000 Jahren), es sind aber auch frühe Nachweise aus Amerika bekannt (vor etwa 10.000 Jahren). Eine Studie zur Verbreitungsgeschichte des Flaschenkürbis war bereits zu dem Ergebnis gekommen, dass die Pflanze höchstwahrscheinlich im Zuge der Einwanderung des Menschen von Asien nach Amerika gelangt war. Diesem Szenario widersprechen nun die Ergebnisse der Forscher um Logan Kistler von der Pennsylvania State University in University Park.
Sie haben Funden von präkolumbianischen Flaschenkürbissen aus Amerika DNA abgerungen, die sie dann für Vergleiche mit genetischen Fingerabdrücken von Pflanzen anderer Regionen der Erde nutzen konnten. Die Auswertungen zeigten, dass die Neuwelt- Flaschenkürbisse mit den Pflanzen aus Afrika näher verwandt sind als mit denen aus Asien. Sie sind somit offenbar ohne die Hilfe des Menschen direkt von Afrika nach Amerika gelangt, folgerten die Forscher. Ihnen zufolge sei die Theorie des Mitbringsels aus Asien sowieso fragwürdig gewesen, da der Flaschenkürbis kälteempfindlich ist und den langwierigen Weg des Menschen über die eisige Beringstraße kaum überstanden hätte.
Um ihre Theorie zu untermauern, dass die Pflanzen einst als Treibgut in der Neuen Welt ankamen, haben die Forscher Modelle der Strömungsverhältnisse im Atlantik zur fraglichen Zeit entwickelt. Sie zeigen, dass es gut möglich war, dass Saatgut des Flaschenkürbis binnen eines Jahres von Afrika nach Südamerika driften konnte. Dort angekommen, keimte das Kraut und fand ideale Bedingung, um sich auszubreiten. Unabhängig vom Rest der Welt erkannten auch die Menschen Amerikas die Vorzüge der bauchigen Früchte und machten sie zur Kulturpflanze, glauben die Forscher.





