Der untere Teil des Rumpfes von Schiffen liegt permanent unter Wasser. Mit der Zeit können sich darauf Algen, Muscheln und andere Lebewesen festsetzen. Kunststoff-Farbbeschichtungen sollen das verhindern. Denn ein Schiff mit glattem Rumpf verbraucht weniger Treibstoff. „Antifouling-Beschichtungen sind unverzichtbar, um den Bewuchs an Schiffen zu vermeiden. Das senkt die Treibhausgasemissionen und verhindert das Einschleppen fremder Arten“, erklärt Seniorautor Burkard Watermann vom Forschungslabor LimnoMar. Die Beschichtungen sind demnach gut fürs Klima und den Erhalt der Meeresökosysteme.

„Doch diese Beschichtungen können auch Mikroplastik ins Meer bringen“, betont Watermann. Denn wenn Taucher den Rumpf mit Bürsten, Wasserstrahl oder Gummistäben reinigen, lösen sich auch Plastikpartikel ab. Solche Substanzen belasten wiederum die Meeresumwelt.
Abrieb von umweltschädlichem Mikroplastik und Metallen
Wie viel Mikroplastik aus den Schiffsbeschichtungen ins Meer gelangt, haben nun Forschende um Marten Fischer vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) quantifiziert. Dafür haben sie eine (neue) Methode entwickelt, um die Menge der freigesetzten Partikel bei der Unterwasserreinigung zu bestimmen: eine Mischung aus Pyrolyse und Spektrometer-Analysen. Mit dieser Technik untersuchten sie dann in Hafenanlagen den Kunststoffabrieb von drei Schiffen mit verschiedenen Beschichtungen: selbstpolierend (Polyacryl-Basis), abriebfest (Epoxid-Basis) und antihaftend (Silikon-Basis).

Das Ergebnis: Am meisten Abrieb entsteht bei der Reinigung von selbstpolierenden Beschichtungen. Große Containerschiffe setzen pro Reinigung etwa 1,9 bis 4,3 Kilogramm Plastikpartikel aus diesem Material frei. Auch die Biozide Kupfer und Zink gelangen dabei in bedenklichen Mengen ins Meer, wie das Team feststellte. Das Reinigungswasser enthielt pro Liter 2,2 bis 9,5 Milligramm Kupfer und 1,1 bis 3,2 Milligramm Zink und überschreitet damit die Grenzwerte für Gewässer um ein Vielfaches.






