Gemüse ist auf dem Feld nicht nur Wind und Wetter, sondern auch zahlreichen Schadstoffen ausgesetzt, die sich in unserer Umwelt angereichert haben. So wurden in kommerziell verkauftem Gemüse etwa bereits Medikamentenrückstände gefunden und Salat nimmt zumindest unter Laborbedingungen verschiedene Giftstoffe aus Reifenabrieb auf. Ob er dies auch unter normalen Anbaubedingungen tut, war bislang allerdings unklar.
Reifenabrieb im Salat
Forschende um Anya Sherman von der Universität Wien haben nun erstmals auch Supermarkt-Salat auf sogenannte Reifenadditive hin untersucht – chemische Stoffe wie Antiozonierungs- und Antialterungsmittel, die Autoreifen haltbarer und leistungsstärker machen sollen. Die beprobten Salate stammten dabei aus israelischen und schweizerischen Supermärkten, wobei der Salat sowohl in den beiden Ländern selbst als auch in Spanien und Italien angebaut wurde. Da auch Teile des hierzulande erhältlichen Salates von dort importiert werden, lassen sich die Ergebnisse auch auf das Gemüse in unseren Supermärkten übertragen.
Leider, denn: Insgesamt konnten Sherman und ihre Kollegen 16 verschiedene Reifenadditive in den Salaten nachweisen, darunter Benzothiazol und 6PPD. Während ersteres im Verdacht steht, das Hormonsystem zu schädigen, wird zweiteres mit einem Lachs-Massensterben in den USA in Verbindung gebracht. Immerhin fiel die Konzentration der Giftstoffe mit 238 Nanogramm pro Kilogramm im Falle des Benzothiazols und 0,4 Nanogramm pro Kilogramm beim 6PPD verhältnismäßig gering aus, wie die Forschenden berichten.
Das Team hat auch untersucht, wie viel dieser Stoffe im Schnitt in unserem Körper landet. Je nach Gemüseanteil in der Ernährung sind das pro Person täglich zwölf bis 1.296 Nanogramm Benzothiazol und 0,06 bis 2,6 Nanogramm 6PPD. Diese Größenordnungen sind vergleichbar mit der Menge an Medikamentenrückständen, die in unserem Gemüse stecken. „Während die Konzentrationen und tägliche Aufnahme zum Glück relativ gering sind, findet man dennoch Stoffe aus Autoreifen in der Nahrung. Da gehören sie nicht hin“, sagt Sherman. In einem nächsten Schritt wollen sie und ihr Team daher nun die konkreten gesundheitlichen Risiken des „Reifen-Salates“ untersuchen.
Wasser und Klärschlamm als Hauptquellen
Doch wie genau gelangen die Stoffe aus den Autoreifen überhaupt in unser Gemüse? Beim Kontakt mit der Straße löst sich aus den Reifen ein feiner Abrieb, der neben Mikroplastik, Benzothiazol und 6PPD noch viele weitere Additive enthält. Anschließend gelangen die winzigen Schadstoff-Partikel zum Beispiel direkt mit dem Wind auf die Äcker oder landen zunächst mit dem Regen in Gewässern und Klärschlamm. Da die Landwirte das Wasser zum Bewässern ihrer Felder und den Schlamm als Dünger verwenden, gelangt der enthaltene Abrieb auch auf diesem Wege aufs Feld, wo er schließlich über die Wurzeln der Gemüsepflanzen aufgenommen und in deren Blättern angereichert wird, wie die Forschenden erklären.





