Gene entscheiden über Abhängigkeit
Mit dem Rauchen aufhören wollen viele. Jetzt haben Forscher vom Institute of Health Sciences in Oxford Gene entdeckt, die mitbestimmen, wie leicht ein Raucher vom Glimmstängel lassen kann.
Die Forscher um Robert Walton befragten in einer Voruntersuchung Raucher, die das Rauchen einstellen wollten, wie leicht ihnen dies fiel. Ihre Aussagen hat er mit einer Analyse ihres Erbgutes verglichen. Ziel dieses Vergleiches war festzustellen, ob und welche Unterschiede Raucher in jeweiligen Genomsequenzen in Bezug zu ihrem Suchtverhalten aufweisen.
Die Forscher glauben, dass sie die einer Sucht zugrunde liegenden molekularen Prozesse gefunden haben. Genetisch bedingte Schwankungen von dopaminergen Neurotransmittern, also Übtragungsvorgängen im Nervensystem mittels des Botenstoffes Dopamin, machen für eine Nikotinabhängigkeit anfällig. Wer viel davon hat, wird schneller süchtig und es fällt schwerer Aufzuhören. Das Enzym Dopamin-Hydroxylase sorgt dabei für den “Kick” des Nikotins, der immer wieder zur nächsten Zigarette greifen lässt, wenn das Nikotin abgebaut wurde. Dafür ist das zweite von Walton identifizierte Enzym, eine Mono-Oxygenase, zuständig. Die funktionellen Variationen in diesem Enzym, bestimmen die Rate mit der bei Rauchern Nikotin im Stoffwechsel umgesetzt wird. Gibt es weniger dieses Enzymes, ist die Rate, mit der das Nikotin im Körper umgesetzt wird, langsam und es bleibt so ein höherer Nikotinspiegel längere Zeit im Blut – der betroffene Mensch muss dadurch nicht so häufig rauchen. Es lässt sich also über das Aufkommen dieser Enzyme in den Genen erkennen, ob jemand ein regelmäßiger Raucher mit hohem Tabakkonsum wird ? wenn zum einen das Nikotin schnell abgebaut wird und zum anderen der “Kick” immer wieder schnell neu geschaffen werden muss. Dieselben Mechanismen wirken, wenn man das Rauchen einstellen möchte.
Mit diesem Wissen wird es nun möglich sein, Raucher, die Nikotin schnell umsetzen und häufig und oft den “Kick” neu brauchen, mittels einer DNS-Analyse zu identifizieren. Die Möglichkeit, dass die Empfindlichkeit einer Person für Nikotinsucht über das Erbgut vorausgesagt werden kann, kann nun bei der Entwöhnung helfen. So können die Therapien für Raucher, die ihre Sucht aufgeben wollen, durch eine individuelle Behandlung revolutioniert werden, schreibt Walton in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift Trends in Molecular Medicine. “Die Ergebnisse der Experimente sind bisher vielversprechend,” sagte Walton den BioMedNet-News. “Es ist möglich, in Zukunft stärkere Dosen eines Nikotinersatzes bei einer Person zu geben, die eine hohe natürliche Nikotinumsatzrate, hat. Oder, dass einer Person, die das Nikotin sehr langsam umsetzt gar keinen Ersatz wie ein Pflaster braucht, sondern eine andere Vorgehensweise empfohlen werden kann.”
Waltons Forschung, die vom Imperial Cancer Research Fund gefördert wird, zielt nun darauf, sein experimentelles Modell zur Entwicklung anderer Therapien zu nutzen und bestehende zu überprüfen. Während im allgemeinen Übereinstimmung darüber herrscht, dass Nikotinsucht zu einem Teil genetisch bedingt ist, sind sich die Wissenschaftler uneinig über die wirkungsvollste Methode, süchtige Menschen zu behandeln. Walton bleibt dennoch positiv gegenüber künftigen Technologien. “Ich wäre sehr überrascht wenn es in zehn Jahren keinen Weg geben wird, genetisch feststellen zu können, ob ein Raucher leicht aufhören kann oder nicht.”
Nicole Waschke





