Der Blauflossen-Thunfisch (Thunnus thynnus) ist als Speisefisch sehr beliebt und deshalb schon seit Jahren stark überfischt. Um die bis zu drei Meter langen Raubfische vor dem Aussterben zu bewahren, wurden in Atlantik und Mittelmeer Fangquoten und Schonzeiten verhängt. Zudem überwachen Fischereibiologen die einzigen beiden bisher bekannten Laichgründe der Thunfische, einen im Mittelmeer, den anderen im Golf von Mexiko.
Seit den 1990er Jahren jedoch beobachte die Biologen immer wieder, dass ausgewachsene Thunfische trotz Laichsaison keinen der beiden Laichgründe aufsuchen. Man nahm deshalb an, dass sich diese Fische nicht vermehren, was zusätzliche Besorgnis über den Erhalt der Bestände auslöste. Aber warum mieden diese Thunfische die angestammten Laichgründe?
Zufallsfund vor der US-Ostküste
Dieses Rätsel haben nun US-Forscher gelöst – mehr oder weniger durch Zufall. Denn als sie im Sommer vor der Küste Neuenglands und dem südlich davon gelegenen Ostküstengebiet Fischproben nahmen, fanden sie ungewöhnlich viele Thunfischlarven – obwohl dieses “Slope Sea” getaufte Gebiet fernab aller bekannte Laichgründe liegt.
“Die meiste dieser Larven waren kleiner als fünf Millimeter und weniger als eine Woche alt”, berichtet David Richardson vom Fischereiforschungszentrum der NOAA. “Daten von Strömungsbojen bestätigten uns, dass diese kleinen Larven nicht aus dem Golf von Mexiko in diese Gegend geschwemmt worden sein können.” Stattdessen spricht der Fund dieser Thunfischlarven dafür, dass sie vor Ort geschlüpft sind.
Ein drittes Laichgebiet
Und tatsächlich: Als die Fischforscher mehrere große Thunfische mit Sendern markierten und ihre Wanderungen verfolgten, konnten sie einige von ihnen sozusagen auf frischer Tat ertappen: Wie sie beobachteten, schwimmen große Thunfische, die mehr als 200 Kilogramm wiegen, sehr schnell durch dieses Meeresgebiet. Sie sind nur auf der Durchreise vom Golf von Mexiko in die Futtergebiete im Nordatlantik, wie die Forscher erklären.
Anders dagegen Thunfische, die zwar schon ausgewachsen, aber kleiner sind. Sie hielten sich im Durchschnitt 20 Tage in der Slope Sea auf – lange genug, um hier zu laichen, wie die Wissenschaftler beobachteten. Die Slope Sea vor der US-Ostküste ist demnach ein bisher unbekanntes, drittes Laichgebiet der Blauflossen-Thunfische, das vor allem von kleineren Exemplaren frequentiert wird. Der Grund erscheint plausibel: Diese Fische haben dadurch einen weniger weiten Weg von den Futtergebieten im Norden zu ihrem Laichgebiet.





