Nahe des damals sowjetischen Orts Tschornobyl (russisch Tschernobyl) kam es im Jahr 1986 zu einem katastrophalen Unfall in einem Atomkraftwerk. Dieser Super-GAU war der schwerste Reaktorunfall der Geschichte. Durch die Explosion des Reaktorgebäudes wurden damals große Mengen radioaktiver Isotope, darunter Cäsium-137 freigesetzt. Dieses entsteht unter anderem bei der Kernspaltung in Kernkraftwerken und kommt nicht natürlich vor. Nach dem Unfall verteilte es sich mit Luftströmungen über weite Teile Europas. Auch der Boden im Südosten Deutschlands wurde über Wolken und Regen mit dem Radionuklid belastet.
Unsichtbare Spuren dieser radioaktiven Kontamination gibt es in der Natur bis heute, fast 40 Jahre nach dem Unfall. Denn die Halbwertszeit von Cäsium-137 beträgt etwa 30 Jahre. Das bedeutet, dass das 1986 freigesetzte Material bis heute erst zu rund 60 Prozent zerfallen ist. Daher können Pilze aus dem Wald noch immer radioaktives Cäsium-137 aus Tschornobyl enthalten. Zusätzlich enthalten sie radioaktives Cäsium, das bei Kernwaffentests im 20. Jahrhundert freigesetzt wurde. Die Belastung durch den Fallout von Tschornobyl konzentriert sich vor allem im Bayerischen Wald, am Alpenrand und im Donaumoos südwestlich von Ingolstadt.
Wie stark sind die Pilze im Wald belastet?
Wer Pilze sammelt, kann vor allem in einigen Gegenden Süddeutschlands noch auf Exemplare stoßen, die mehr als 600 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse enthalten, wie ein aktueller Bericht des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zeigt. Dies ist der gesetzliche Grenzwert, den in EU-Ländern verkaufte Pilze nicht überschreiten dürfen. Zuchtpilze wie Champignons, Austernseitlinge und Shiitake enthalten generell wenig Cäsium-137. Bei wild gesammelten Arten kann die Belastung aber deutlich höher sein. Der aktuelle Bericht zeigt, welche der 158 untersuchten wildwachsenden Speisepilzarten derzeit wenig, und welche viel Cäsium-137 enthalten.
Am stärksten radioaktiv belastet sind demnach Semmelstoppelpilze, Rotbraune Semmelstoppelpilze und Elfenbeinschnecklinge. Diese Arten wiesen in den vergangenen drei Jahren teilweise Messwerte über 2.000 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse auf. Dahinter folgten Trompetenpfifferlinge, Maronenröhrlinge, Seidige Ritterlinge, Dickblättrige Schwärztäublinge und Blassblaue Rötelritterlinge, die oft Messwerte über 1.000 Becquerel pro Kilogramm aufwiesen. Kaum mit Cäsium-137 belastet waren hingegen zum Beispiel der Braunschuppige Riesenchampignon, der Dunkelfaserige Champignon, der Hasenröhrling, das Judasohr, der Riesenporling und der Stadtchampignon. Diese Pilzarten wiesen weniger als fünf Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse auf.





