Mit ihrem Verhalten trieb die 49 Jahre alte Patientin Ärzte und Pfleger zur Weißglut. Nachdem ihr eine Niere transplantiert worden war, weigerte sie sich, wichtige Medikamente zu nehmen. Schließlich verlor sie das Organ. Die Frau ist für Experten ein Beispiel für Patienten, die eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Arzt verweigern. Damit schaden sie oft nicht nur sich selbst, sondern auch dem Steuerzahler: Auf 10,7 Milliarden Mark, so schätzen Experten des Pharmaunternehmens GlaxoWelcome (Hamburg), belaufen sich die jährlichen Kosten für diese mangelnde Kooperationsbereitschaft in Deutschland.
Bei einer Tagung in Landau suchten Vertreter von Kassen, Ärzten, Patienten und Pharma-Industrie am Wochenende Wege aus dem Problem. Dabei wurde deutlich, dass die Gründe für die Verweigerung vielschichtig sind und nicht jedes trotzige Verhalten Verweigerung bedeutet. In der Medizinerausbildung müsse deshalb mehr Wert auf Psychologie gelegt werden, forderte Klaus Maria Josten von der Deutschen Klinik für Diagnostik (Wiesbaden).
Dass psychologische Betreuung eines verunsicherten Patienten die Zusammenarbeit mit stark eingespannten Ärzten verbessern kann, machte Sibylle Storkebaum vom Institut für psychosomatische Medizin am “Klinikum rechts der Isar” (München) deutlich. Die Psychologin berichtete von einem Achtjährigen, der vor einer Herztransplantation im Krankenhaus randalierte und drohte, die Infusions-Schläuche abzureißen. Bei näherer Betrachtung habe man entdeckt, dass seine Wutanfälle dazu dienten, sich als mündigen und starken Patienten zu zeigen.
“Es war Ärzten und Pflegepersonal entgangen, dass sie ihn, einen schon sehr verantwortungsfähigen Buben, schlicht zum Kleinkind degradiert hatten”, erläuterte Storkebaum. Er habe aber ernst genommen werden und zu seiner Genesung beitragen wollen. “Als das erkannt war, musste er nicht mehr toben. Er wurde merklich ruhiger und ein guter Patient”, sagte Storkebaum bei der Tagung, zu der die Evangelische Akademie der Pfalz, die Kassenärztliche Vereinigung Pfalz und das Zentrum für Ethik in der Medizin (Frankfurt/Main) eingeladen hatten.
Problematisch sei es, wenn zu viele Medikamente verschrieben würden, die zu oft eingenommen werden müssten, sagte Jan-Torsten Tews von GlaxoWelcome. Tews schlug Patientenschulungen und “Selbstmanagement” vor. Darunter wird unter anderem die Selbstbeobachtung des chronisch Kranken verstanden.
Die Kassen streben nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden der AOK Rheinland-Pfalz, Walter Bockemühl, eine bessere medizinische Versorgung an und erhoffen sich davon eine bessere Zusammenarbeit von Arzt und Patient. “Dass es die Non-Compliance gibt, hat damit zu tun, dass die Patienten mit der Behandlung nicht zufrieden sind”, sagte Bockemühl. Jeder zweite Patient wolle einer Studie zufolge keine Medikamente oder erwarte keine, bekomme sie aber. “Da darf man sich nicht wundern, dass dem Rat nicht gefolgt wird.”
Die Kassen forderten deshalb eine Vereinbarung über Standards der ärztlichen Leistungen. Zudem sollten gute Leistungen besser und schlechte auch schlechter bezahlt werden, sagte Bockemühl. Nach seiner Vorstellung soll der Hausarzt etwa chronisch kranke Dauerpatienten wie Diabetiker an Schwerpunktpraxen überweisen und sie – abgesehen von Alterspatienten – nicht mehr selbst behandeln. Über die Vergütung könne dies gesteuert werden, sagte Bockemühl.
dpa





