Haie und Rochen zählen zu den ältesten Erdbewohnern: Sie bevölkern die Weltmeere bereits seit rund 450 Millionen Jahren. Einige ihrer evolutionären Blütezeiten erlebten diese Knorpelfische während des Jura vor 200 bis 143 Millionen Jahre und in der Kreidezeit vor 143 bis 66 Millionen Jahre. Damals profitierten sie unter anderem davon, dass ihnen ein breites Spektrum an unterschiedlichen Umweltbedingungen zur Verfügung stand. Heute umfasst diese Tiergruppe mehr als 1200 bekannte Hai- und Rochenarten. Allerdings sind derzeit mehr als ein Drittel der noch lebenden Arten akut vom Aussterben bedroht. Eine negative Wirkung auf die Vielfalt der Rochen und Haie haben beispielsweise die Überfischung und der Verlust ihres Lebensraumes durch andere menschliche Aktivitäten. Doch wie groß ist der Einfluss des aktuellen Klimawandels?

Das hat nun ein Forschungsteam um Manuel Staggl von der Universität Wien mit einem Blick in die Vergangenheit untersucht. Dafür analysierten die Paläobiologen die Klimaschwankungen vor 200 bis 66 Millionen Jahren und ermittelten, welche Umweltfaktoren damals die Artenvielfalt von Haien und Rochen beeinflussten. Anhand von mehr als 20.000 fossilen Hai- und Rochenzähnen bestimmten sie für die einzelnen Zeitalter die Artenvielfalt und glichen diese mit den jeweiligen Klimadaten ab. Daraus entwickelten sie dann mögliche Zukunftsszenarien für die aktuelle Klimaerwärmung.
Drei Faktoren entscheidend
Die Auswertung ergab, dass drei Umweltfaktoren entscheidend für die Hai- und Rochenvielfalt sind: Höhere Temperaturen und mehr Flachwasserbereiche wirken sich positiv aus, ein höherer CO2-Gehalt der Meere jedoch negativ. So belegen die Fossilien erstmals, dass eine höhere CO2-Konzentration und die damit verbundene Versauerung der Meere während Jura und Kreidezeit zum Aussterben von einzelnen Hai- und Rochenarten beitrug. Aber warum? „Wir können die genauen Mechanismen, die den negativen Effekt von CO2 auf die Artenvielfalt von Knorpelfischen haben, noch nicht vollständig erklären“, so Staggl. Laboruntersuchungen an heute lebenden Haien und Rochen zeigen jedoch, dass höhere CO2-Werte im Wasser schwere Folgen für den Fischstoffwechsel haben. Sie beeinflussen unter anderem die Sinne der Tiere und verändern die Skelettentwicklung der Embryos.






