Über Küsten, Schiffe und Flüsse gelangen gewaltige Mengen an Kunststoffen ins Meer. Allein an der Wasseroberfläche schwimmen geschätzt 5,25 Billionen Plastikpartikel. Die Masse des schwimmenden Kunststoffs liegt derzeit bei etwa 399.000 Tonnen- das entspricht dem Gewicht von etwa 4000 Blauwalen. Diese Plastikabfälle sind eine akute Bedrohung für die Ozeane: Viele Meeresbewohner fressen oder verschlucken die Kunststoffe – oft mit tödlichen Folgen. Bei der Zersetzung geben Plastikteile giftige Zusatzstoffe wie Weichmacher in die Meeresumwelt ab. Über die Meerestiere gelangen diese auch zum Menschen.
Grundreinigung der Meere?
Private Initiativen wie die niederländische „Ocean Cleanup“ haben eine Technologie entwickelt, um die Meere von Plastik zu befreien. Mithilfe von 600 Meter langen, schwimmenden Barrieren sollen schwimmende Müllsammler bis zu einem Millimeter große Plastikteile, die auf der Wasseroberfläche schwimmen, abfischen und aus dem Wasser entfernen. Ein Schiff transportiert den Müll zurück an Land, wo er verbrannt oder recycelt wird. „Ocean Cleanup“ hat sich zum Ziel gesetzt, den „Pacific Garbage Patch“ im Nordpazifik – den größten Müllstrudel in den Ozeanen – innerhalb von 20 Jahren zu reinigen.
Wie realistisch das ist, hat nun eine Forschergruppe um Sönke Hohn vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen untersucht. In ihrer Studie analysierten die Wissenschaftler anhand von mathematischen Modellen, wie effektiv der Einsatz solcher Müllschlucker wäre. Mithilfe verschiedener Szenarien verglichen sie den zu erwartenden Einfluss der neuen Technologie innerhalb der nächsten 130 Jahre – von 2020 bis 2150 – auf die Plastikmüllmenge im Ozean. Sie prognostizierten dabei, wie sich die Situation der Meere ganz ohne Reinigung, mit dem Einsatz von einem oder 200 Plastikschluckern oder aber mithilfe von schwimmenden Flussbarrieren entwickeln könnte. Ihren Berechnungen zufolge kann ein Müllschlucker, der sich mit rund 600 Meter pro Stunde vorwärtsbewegt, im Jahr eine Meeresoberfläche von knapp 2700 Quadratkilometer säubern – das entspricht 0,00073 Prozent der gesamten Wasseroberfläche der Ozeane.
Nur ein Bruchteil wird entfernt
Die Modellprojektionen ergaben: Ohne Einsatz jeglicher Technologien wird die Menge an Oberflächenplastik in den Ozeanen innerhalb von 40 Jahren schätzungsweise um das Dreifache zunehmen. Beim Einsatz von 200 Müllschluckern in der Zeit bis 2150 könnte sich das Plastikvorkommen an der Meeresoberfläche hingegen um etwa 44.900 Tonnen reduzieren. Das entspricht etwas mehr als fünf Prozent der geschätzten globalen Gesamtmenge bis zum Ende dieses Zeitraums. „Angesichts der riesigen Mengen an Plastikmüll, die fortwährend die Ozeane verschmutzen, ist das ein eher geringer Beitrag“, sagt Hohn. Da die Plastikschlucker weder das Mikroplastik erfassen noch die zum Meeresgrund gesunkenen Kunststoffteile aus dem Wasser fischen können, beeinflussen sie nur das Plastikvorkommen an der Wasseroberfläche.





