Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hatten die 197 Vertragsstaaten beschlossen, die globale Erwärmung im langjährigen Durchschnitt auf 1,5 Grad gegenüber präindustriellen Werten zu begrenzen, maximal jedoch auf zwei Grad. Seither verpflichten sie sich in nationalen Plänen (NDC) gegenüber dem UN-Klimasekretariat (UNFCC), entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. 149 Länder haben diese NDCs seitdem aktualisiert und verschärft. Dennoch reichen diese Pläne bisher nicht aus, um die globalen Klimaschutzziele zu erreichen, wie ein aktueller Bericht des UN-Umweltprogramms UNEP zeigt, an dem zahlreiche Klimawissenschaftler mitgewirkt haben.
Demnach reichen die bereits umgesetzten Maßnahmen der aktuellen Klimapolitik nur aus, um die Erderhitzung in diesem Jahrhundert auf drei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Und auch am Ehrgeiz mangelt es: Selbst, wenn alle weiteren, in den NDCs versprochenen Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt würden, würde es wahrscheinlich nur für eine Begrenzung der Erwärmung auf 2,5 Grad reichen, so der UNEP-Bericht. Werden die in den nationalen Selbstverpflichtungen enthaltenen Zeitpläne für ein Erreichen der Netto-Null-Emissionen berücksichtigt, könnte die Erderwärmung immerhin auf zwei Grad begrenzt werden. Doch diese Versprechen stufen die UN derzeit nicht als glaubwürdig ein, weil keines der G20-Länder seine Emissionen in einem Tempo reduziert, das seinen Netto-Null-Zielen entspricht. Eine ähnlich ernüchternde Bilanz zog vor wenigen Tagen bereits das UN-Klimasekretariat (UNFCC).
Traurige Rekorde
Zugleich steckt die Welt mitten in einer Klimakrise, die sich auf verstörende Weise intensiviert, berichten die Vereinten Nationen. Im Jahr 2023 war unser Planet bereits an 86 Tagen um mehr als 1,5 Grad heißer als vor der Industrialisierung. Doch nicht nur die Temperaturen, sondern auch der Anteil von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre und die Treibhausgas-Emissionen sind laut dem Report auf weltweitem Rekordhoch. Die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre stieg demnach im Jahr 2022 auf 417,9 ppm (Teile je eine Million Luftmoleküle); vor der Industrialisierung waren es 280 ppm. Und auch der globale Ausstoß an Treibhausgasen wie CO2, Methan und Lachgas erreichte im vergangenen Jahr ein neues Allzeithoch von 57,4 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten.
Gegenüber 2021 sind die globalen Emissionen sogar um 1,2 Prozent gestiegen, und damit stärker als im letzten Jahrzehnt. Besonders stark zugenommen hat der Treibhausgas-Ausstoß 2022 in Indonesien mit 10,0 Prozent und in Indien mit 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. In der EU waren die Emissionen mit minus 0,8 Prozent dagegen leicht rückläufig, heißt es in dem UNEP-Bericht. Derzeit den größten Anteil an allen Emissionen hat China mit 30 Prozent, gefolgt von den USA und der EU mit zusammen 18 Prozent. Historisch betrachtet haben jedoch die USA und die EU seit 1850 deutlich mehr Treibhausgase ausgestoßen als China. Insgesamt besonders schlecht ist die Klimabilanz der Reichen, unabhängig von ihrem Wohnort: Aktuell verursachen die reichsten zehn Prozent der Menschen zusammen knapp die Hälfte aller Klimagas-Emissionen.





