Unsere Welt ist voll von Tierlauten: Vögel zwitschern, Insekten zirpen, Hunde bellen… Die Unterwasserwelt wirkt hingegen still, denn kein Laut dringt durch die Oberfläche an unsere Ohren. Fische gelten sogar geradezu sprichwörtlich als stumm, und Ohren scheinen sie auch keine zu haben. Doch das ist ein Trugschluss. Fische besitzen durchaus Hörorgane und sie produzieren auch Geräusche, um zu kommunizieren. Durch unterschiedliche Mechanismen quietschen, knurren oder trommeln sie beispielsweise, um ihr Revier zu verteidigen, Partner anzulocken oder Feinde einzuschüchtern.
Es ist in diesem Zusammenhang bereits bekannt, dass die berühmten Piranhas ausgesprochen laute Fische sind. Sie verschaffen sich durch Geräusche Gehör, die wie ein pulsierendes „Woap, Woap…“ klingen und insgesamt an ein dumpfes Bellen erinnern. Die Fische erzeugen sie, indem sie durch spezielle Muskeln rhythmisch Druck auf ihre Schwimmblase abgeben. Bisher sind die Lautäußerungen der Piranhas allerdings hauptsächlich aus Untersuchungen von im Labor gehaltenen Fischen bekannt. Die Forscher um den Biologen Rodney Rountree zeigen nun die Möglichkeit auf, die Geräusche dieser besonderen Fische auch in ihrem natürlichen Lebensraum zu erfassen und für deren Forschung zu nutzen.
Piranhas im akustischen Fokus
Wie vielen kaum bekannt ist, gibt es DEN Piranha gar nicht – es handelt sich um eine Fischfamilie mit zahlreichen unterschiedlichen Arten. Sie kommen in den Gewässern Südamerikas vor und sind vor allem in Amazonasbecken verbreitet, wo sie eine wichtige Rolle im Ökosystem erfüllen. Durch ihre zweifelhafte Rolle in Abenteuerromanen und -filmen gehören die Piranhas zur Prominenz unter den Wassertieren. Ihr Aggressionsverhalten wird in diesen Geschichten aber meist maßlos übertrieben. Es stimmt, dass sie räuberische Schwarmfische sind, die mit ihren scharfen Zähnen Stücke aus ihren Beutetieren reißen. Sie beißen zwar auch manchmal Menschen oder Wirbeltiere, aber dass sie große Lebewesen binnen Sekunden skelettieren können, ist Unsinn.
Allerdings gibt es noch immer viele Unklarheiten über die Lebensweise und Verbreitung der verschiedenen Vertreter der Piranhas. Unter anderem liegt dies an einem visuellen Problem: “Im Amazonasgebiet sind die meisten Lebensräume unter Wasser sehr trüb, daher kann man dort das Tierverhalten nicht durch Unterwasserkameras erfassen. Die einzige Möglichkeit, Fische zu untersuchen, besteht deshalb bisher darin, sie zu fangen”, sagt Rountree. “Oft ist somit die größte Herausforderung bei der Erforschung, sie überhaupt erst einmal zu verorten. Deshalb ist jedes Werkzeug, das helfen kann, die Fische zu finden, sehr hilfreich“, sagt der Biologe. Wie er nun auf dem Meeting der Acoustical Society of America in Victoria berichtet, zeigen die Ergebnisse seines Teams, dass im akustischem Unterwasser-Monitoring diesbezüglich großes Potenzial steckt.





