Ob als fädiger Schimmel, winzige Spore oder „klassischer“ Hutpilz –Pilze kommen in unzähligen Formen und fast überall vor. Mit 2,2 bis 23,8 Millionen Arten bilden sie nach den Tieren die zweitgrößte Gruppe der höheren Organismen auf unserem Planeten. Bekannt und beschrieben ist von dieser enormen Vielfalt jedoch erst ein winziger Bruchteil – Schätzungen zufolge kennen wir erst zwischen zwei und acht Prozent aller Pilzarten. Noch lückenhafter ist unser Wissen über die Evolution der Pilze und das erste Auftreten dieser Organismen. Denn Fossilien früher Pilze sind nur selten erhalten geblieben, zudem lassen sich fossile Pilzfäden meist schwer von ähnlichen Filamenten einzelliger Bakterien oder Blaualgen unterscheiden. Die bisher ältesten eindeutig identifizierten Pilzfossilien sind jedoch schon rund 460 Millionen Jahre alt. Ihr Fund deutet darauf hin, dass urzeitliche Pilze zu den ersten Lebewesen gehörten haben könnten, die das Land besiedelten. Doch bislang ist unklar, wann sich diese allerersten Pilze entwickelt haben.
Fädige Netzwerke in uraltem Sediment
Jetzt haben Paläontologen um Steeve Bonneville von der Freien Universität Brüssel einen Fund gemacht, der ein neues Licht auf die Ursprünge der Pilze wirft. In einer Gesteinsformation aus dem Süden der Demokratischen Republik Kongo entdeckten sie die Relikte eines Netzwerks aus fädigen Gebilden, die einem Pilzmycel auffallend ähnelten. Die Fossilien waren in Sediment eingebettet, dass sich vor 715 bis 810 Millionen Jahren am Rand einer flachen Küstenlagune angelagert hatte. Nähere Analysen der nur wenige Mikrometer dicken Filamente ergaben, dass sich diese ähnlich wie Pilzmycelien vielfach verzweigten und wieder miteinander verschmolzen. “Eine solche Struktur kommt bei Pilznetzwerken häufig vor, ist bei Prokaryoten aber selten”, berichten die Forscher. Auch Zellwände innerhalb der Fadensegmente waren im Elektronenmikroskop zu erkennen, zudem stimmte die Größe der Fäden gut mit der von Pilzmycelien überein.
“Doch um unzweifelhaft festzustellen, ob es sich bei diesen fädigen Netzwerken um pilzliche oder bakterielle Überreste handelt, ist eine tiefergehende chemische Bestimmung nötig”, betonen Bonneville und seine Kollegen. Deshalb nutzten die Forscher eine spezielle Färbemethode, mit der sich die Präsenz von Chitin in den fossilen Fädchen nachweisen ließ. Während dieses Biopolymer in vielen Tiergruppen und bei einigen höheren Algen häufig vorkommt, ist es bei Bakterien und andern Prokaryoten nicht vorhanden. “Die Präsenz von Chitin in unseren Filamenten wäre daher ein starkes Argument für ihre Zugehörigkeit zu den Pilzen”, erklären Bonneville und sein Team. Tatsächlich ergaben die Analysen, dass sowohl die Außenwände der fossilen Fäden als auch die internen Zellwände Chitin enthalten. Diesen Befund konnten die Forscher durch spektroskopische Analysen sowie konfokale Laser-Fluoreszenzmikroskopie bestätigen.





