Seit etwa 10 bis 15 Jahren ärgern sich in Norddeutschland die Besitzer von neu mit Reet gedeckten Häusern darüber, dass ihr Dach innerhalb weniger Jahre verrottet. Normalerweise halten diese Schilfrohrdächer zwischen 30 und 50 Jahren. Ein neues Dach kann bis zu 40 000 Euro kosten. Wissenschaftler der Universität Greifswald um Frieder Schauer haben jetzt herausgefunden, warum die Reetdächer so rasch verfaulen: Sie sind von Pilzen befallen.
Schauer hat die geschädigten Schilfrohre im Labor genauer untersucht. Dabei entdeckte er unter anderem 68 verschiedene Pilzstämme. Die meisten davon waren harmlos. Allerdings fand der Forscher auch spezielle Weißfäulepilze, die er als Verursacher der Schädigungen identifizierte. Diese Pilze „fressen” Lignin, den Grundstoff von Holz. Als besonders aggressiv erwiesen sich die Schmetterlingstramete (Trametes versicolor) und die Zinnobertramete (Pycnoporus cinnabarinus). Unter optimalen Laborbedingungen gelang es den Mikroorganismen, intaktes Reet innerhalb von 35 Tagen zu 23 Prozent zu zerstören. Schauer vermutet, dass die wärmeren Winter mit daran schuld sind, dass sich die gefräßigen Pilze vermehrt in den Dächern ansiedeln. Dadurch müsse das Reet oft zu feucht, und nicht durch den Frost getrocknet, geerntet werden. Wie man der Pilze Herr werden kann, will der Forscher jetzt in weiteren Untersuchungen klären.





