Gärtner wissen schon länger, dass bestimmte Pflanzenarten sich gegenseitig fördern können: Sie gedeihen besser, wenn sie gemeinsam gepflanzt werden und schützen sich auch gegenseitig vor Schädlingen. Doch bisher galt eine solche positive Interaktion eher als Ausnahme. Gängiger Vorstellung nach dominiert im Pflanzenreich ansonsten eher eine Konkurrenz um Licht, Nährstoffe oder Wasser. Dies gilt auch und gerade für Jungpflanzen, die sich gegen ältere, größere Nachbarn durchsetzen müssen – so jedenfalls dachte man.
Überlebenskampf in der Gipswüste
Doch nun hat ein spanisch-britisches Forscherteam herausgefunden, dass Pflanzen gerade unter besonders harschen Bedingungen weit besser zusammenarbeiten als bisher angenommen. Für ihre Studie hatten Alicia Montesinos-Navarro vom Forschungszentrum gegen Desertifikation in Valencia und ihre Kollegen untersucht, wie sich Pflanzen in einer Gipswüste im Südosten Spaniens entwickeln. Dabei verglichen sie über drei Monate hinweg das Wachstum einzeln stehender Jungpflanzen mit solchen, die im Schatten größerer Nachbarn aufwuchsen, untersuchten aber auch, wie die Präsenz der jungen das Gedeihen der älteren, größeren Pflanzen beeinflusst. “Eine solche Kombination ist bisher meist nur aus der Perspektive der jüngeren Pflanze erforscht worden”, sagen die Forscher.
Tatsächlich sind die Vorteile für die Jungpflanze unter den harten Bedingungen der Wüste klar: “Wenn du ein Schössling in einer kargen Landschaft bist – beispielsweise auf dem Gipfel eines Berges oder eine Sanddüne – und du hast das Glück, im Schatten einer großen Pflanze zu stehen, dann sind deine Überlebenschancen besser als wenn du irgendwo allein stehst”, erklärt Co-Autorin Rocio Pérez-Barrales von der University of Portsmouth. Die Jungpflanze profitiert vom Schatten ihres größeren Nachbarn und trocknet daher weniger aus, zudem verbessert die dichtere Pilz- und Bakterienflora im Boden ihre Nährstoffversorgung. Im Feldversuch zeigte sich dies durch ein deutlich schnelleres und besseres Wachstum der in Nachbarschaft zu größeren Pflanzen aufwachsenden Schösslinge.
Auch der größere Partner profitiert
Überraschend jedoch war der Effekt dieser Nachbarschaft auf die größeren Partner. Denn auch diese profitieren offensichtlich davon, wenn in ihrem Schatten Jungpflanzen stehen. “Wir haben festgestellt, dass die schon etablierte große Pflanze, wir nennen sie ‘Amme’, mehr Blüten produziert als ihre einzeln stehenden Artgenossen gleichen Alters”, berichtet Pérez-Barrales. “Damit bringt diese Nachbarschaft offenbar Vorteile für beide Partner.” Wenn eine Pflanze mehr Blüten treibt, dann steigert das ihre Chancen auf Fortpflanzung und die Weitergabe ihrer Gene. Zum einen, weil mehr Samen und Früchte entstehen können, zum andern, weil auch mehr Bestäuberinsekten angelockt werden.





