Bei den Honigbienen ist die Bienenkönigin allein für das Eierlegen verantwortlich. Bei ihrer Paarung kann sie sich ihre Partner aus bis zu 20.000 Bienenmännchen – den Drohnen – aussuchen. Männliche Wildbienen hingegen müssen vor ihren Einzelnestern um die Aufmerksamkeit der Bienenweibchen buhlen. Aber ob Wild- oder Honigbiene – als Männchen ist es wichtig, durch bestimmte physiologische Merkmale auf sich aufmerksam zu machen, um von einem Bienenweibchen als Paarungspartner erwählt zu werden.
Ein Korb für Fungizid-belastete Bienen
Bei Mauerbienen (Osmia cornuta) bewerten die Weibchen bei der Wahl eines Paarungspartners männliche Qualitätssignale – allen voran ihren Geruch und Vibrationen der Brust. Wenn diese Faktoren im frühen Stadium der Insektenfortpflanzung durch beispielsweise Pestizide beeinflusst werden, könnte das eine weitere Erklärung für den Bevölkerungsrückgang der Bienen sein, sagen Samuel Boff von der Universität Würzburg und seine Kollegen. Um dies zu überprüfen, setzten die Forschenden Mauerbienen einer geringen, nicht-tödlichen Dosis des Fungizids Fenbuconazol aus. „Wenn das Fungizid eine Auswirkung auf die Qualitätssignale der Männchen hat, sollte das die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass pestizidbelastete Männchen von den Weibchen abgelehnt werden“, erklärt Boff.
Und tatsächlich: Bienen-Männchen, die dem Fungizid ausgesetzt waren, wurden häufiger von den Weibchen zurückgewiesen, obwohl sie die Bienenfrauen genau so häufig anflogen wie die Kontrollgruppe. Dies liegt laut der Forschenden unter anderem an der Veränderung der Brustvibrationen der Fungizid-behafteten Bienenmännchen: Zwar zeigten sich in Länge und Ausdauer des klangvollen Bebens keine Unterschiede, doch die Variabilität in der Frequenz der Vibrationen war etwa um die Hälfte heruntergesetzt. Die unbehandelten Bienenmännchen zeigten hingegen ein viel breiteres Repertoire an hohen und tiefen Vibrationsfrequenzen, die den Bienenweibchen offenbar deutlich besser gefielen.
Bienen müssen sich riechen können
Doch die Forschenden beobachteten noch eine weitere physiologische Veränderung. Die Haut von Bienenmännchen ist mit 47 verschiedenen Kohlenwasserstoffverbindungen bedeckt, die ihnen einen ganz bestimmten Geruch verleihen und den Bienenweibchen Paarungsbereitschaft signalisieren sowie Informationen über die eigene Fitness bereithalten. Die Zusammensetzung dieses für die Paarung wichtigen Hydrocarbon-Profils, veränderte sich jedoch stark unter dem Einfluss des Fungizids – und beeinflusste damit wiederum die Partnerwahl der Bienenweibchen, wie die Experimente ergaben. Boff und sein Team vermuten, dass das Fungizid im Stoffwechsel der Bienen Entgiftungsprozesse auslöst, die sich als Folge auf die Geruchskomposition auswirken.





