Pestizide sind möglicherweise stärker am weltweiten Amphibiensterben beteiligt, als bisher angenommen. Das legen zumindest Untersuchungen nahe, deren Ergebnisse die Biologen Rick Relyea und Nathan Mills im Magazin “Proceedings” der amerikanischen Akademie der Wissenschaften beschreiben. Demnach offenbaren die üblicherweise eingesetzten Standardtests zur Untersuchung von Pestiziden nicht die wahre Gefährlichkeit für Amphibien.
Die Wissenschaftler untersuchten die Wirkung des Insektengiftes “Carbaryl”. Dem Pestizid hatten andere Forscher in früheren Untersuchungen Unbedenklichkeit attestiert.
Bei den entsprechenden Gefährlichkeits-Prüfungen führen Forscher Standardtests durch. Dabei werden Kaulquappen im Labor vier Tage lang einem Pestizid ausgesetzt.
Für ihre Studien verlängerten Relyea und Mills von den Universitäten Pittsburgh und Missouri jedoch die Versuchsdauer der Kaulquappen im Insektengift von vier auf zehn Tage. Für die Tiere hatte dies verheerende Folgen: Pestizidmengen, die alle Kaulquappen des Grauen Baumfrosches vier Tage lang überlebten, hatten nach zehn Tagen über die Hälfte der Tiere getötet.
In einem weiteren Versuch wollten die Forscher den natürlichen Stress nachahmen, dem Kaulquappen in ihrer Umwelt ausgesetzt sind. Dazu setzten sie, in kleine Käfige eingesperrt, Salamander mit ins Wasserbecken. Salamander sind natürliche Fressfeinde von Kaulquappen. Unter diesen Bedingungen überlebten nur noch drei Prozent der verängstigten Kaulquappen den Pestizideinsatz.
Marcel Falk





