Amphibien haben es schwer: Vielerorts haben Frösche und Kröten ihren Lebensraum verloren, weil Feuchtgebiete trockengelegt wurden. Anderen setzt der tödliche Amphibienpilz zu, der ganze Populationen dahinraffen kann. Und selbst die Amphibien, die diesem Schicksal entgehen, sind oft Giftstoffen in ihrer Umwelt ausgesetzt – vor allem den Pestiziden aus der Landwirtschaft.
Anpassungsfähig gegenüber Pestiziden
Doch die Frösche und Kröten erweisen sich als erstaunlich anpassungsfähig: Viele Amphibien können sich an die erhöhten Pestizidbelastungen anpassen, indem sie eine Toleranz gegen diese Giftstoffe entwickeln. Wie Biologen festgestellt haben, kann diese Toleranz auf zweierlei Weise entstehen: Bei Fröschen und Kröten, die nah an regelmäßig gespritzten Feldern leben, etabliert sich die Resistenz gegen die Pestizide im Laufe mehrerer Generationen und wird dann immer weiter an die Nachkommen weitergegeben.
Eine zweite Strategie der Amphibien ermöglicht es ihnen, selbst kurzfristig auf erhöhte Belastungen zu reagieren: Sind schon die Larven den Pestiziden ausgesetzt, entwickeln sie eine sogenannte induzierte Toleranz. Bei dieser stellt sich ihr Stoffwechsel innerhalb weniger Tage auf die Belastung ein. Bei einigen Krötenlarven führt beispielsweise Glyphosat dazu, dass sie diese Belastung problemlos überleben, aber dafür selbst für andere giftiger werden, wie Forscher kürzlich herausfanden.
Aber zu welchem Preis?
“Es ist zwar eine gute Nachricht, dass Amphibien mithilfe mehrerer Mechanismen eine Toleranz gegenüber Pestiziden entwickeln können”, konstatiert Jessica Hua von der Binghamton University. “Aber wir müssen im Auge behalten, dass die Pestizide nicht die einzigen Stressfaktoren für die Amphibien sind.” Ihr Verdacht: Der Schutz gegen die Agro-Giftstoffe könnte die Widerstandsfähigkeit der Frösche und Kröten gegenüber anderen Gefahren schwächen.
Um herauszufinden, ob diese Befürchtung berechtigt ist, testeten Hua und ihre Kollegen dies an Waldfröschen (Rana sylvativa). Sie untersuchten dafür Frösche aus verschieden stark mit Pestiziden belasteten Populationen und ermittelten, wie anfällig diese Amphibien gegenüber einem parasitischen Plattwurm und dem potenziell tödlichen Ranavirus, einem Frösche und Kröten befallenden Krankheitserreger, waren.
Anfälliger gegenüber Parasiten und Viren
Das Ergebnis: Wie sich zeigte, scheint die Toleranz gegenüber Pestiziden tatsächlich die Abwehr der Amphibien gegenüber anderen Gefahren zu schwächen. Die Waldfrösche, die schon seit Generationen gegen Pestizide immun waren, waren häufiger vom Ranavirus befallen und konnten der Infektion weniger entgegensetzen als Frösche, die keine Toleranz gegen Pestizide besaßen.





