Biologe im Höhenflug
Kraft, Geschick und Schwindelfreiheit gehören nicht zu den typischen Fähigkeiten eines Biologen. Für Andreas Floren aber sind sie unverzichtbar. Schließlich wagt sich der wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie der Universität Würzburg hoch hinaus: Zu seinem Arbeitsplatz muss er klettern. Floren ist einer der wenigen Wissenschaftler, die in unseren Breiten die Tiergemeinschaften in Baumkronen erforschen. Sein neuestes Untersuchungsfeld ist der 400 Jahre alte Eichenhallwald im bayerischen Spessart. Nicht mit Muskelkraft, sondern diesmal mit einem Luftschiff stattete er den heimischen Baumkronen vor kurzem einen Besuch ab. Im Dachgeschoss des Waldes tummeln sich Tausende Käfer, Fliegen, Spinnen und Ameisen – darunter viele gefährdete und sogar unbekannte Arten. „ Ich versuche herauszufinden, wie die Tiere miteinander leben, denn diese Fauna hat einen entscheidenden Einfluss auf viele Prozesse im Ökosystem”, sagt der 43-jährige Würzburger, der in Köln Biologie und Geographie studiert hat. Mit Hilfe eines natürlichen Pyrethrums, das die Spinnen und Insekten vorübergehend lähmt, verschafft er sich eine Momentaufnahme des Lebens in den Wipfeln. Die Tiere werden in Fangtrichtern gesammelt und zur Analyse ins Labor gebracht.
Während die Baumkronenökologie hierzulande noch weitgehend unerforscht ist, liegen aus den Tropen, wo Andreas Floren vor 14 Jahre seine Arbeit begann, bereits konkrete Ergebnisse vor. Unter anderem hat man herausgefunden, dass in den intakten Urwäldern auf Borneo und Malaysia verschiedene Ameisenarten bunt gemischt zusammenleben, was dem bisherigen biologischen Buchwissen widersprach. In bewirtschafteten Wäldern dagegen ist das Nebeneinander der Kolonien streng hierarchisch getrennt.





