Die konventionelle Landwirtschaft ist darauf ausgelegt, so viel Ertrag wie möglich zu erzielen. Damit die Pflanzen schneller wachsen, werden sie intensiv gedüngt; damit sie nicht von Schädlingen gefressen werden, besprühen die Landwirte sie mit Pestiziden. Doch für die Natur hat diese Form der Landwirtschaft viele Nachteile. So gelangt der Dünger zum Beispiel auch in Gewässer, wo er Fischbestände dezimiert, und die Pestizide töten neben Schädlingen auch Bestäuber und andere Nützlinge, wodurch die Artenvielfalt zurückgeht.

Vom Acker zum Ökosystem
Es gibt allerdings auch eine Form der Landwirtschaft, die eine echte Alternative zu konventionellen Methoden darstellen könnte: die sogenannte Permakultur. Sie versucht, beim Anbau die Kreisläufe der Natur nachzuahmen und so statt eines Feldes ein eigenes, sich selbst erhaltendes Ökosystem zu erschaffen. Zu diesem Zweck setzen Permakultur-Landwirte zum Beispiel auf eine große Vielfalt an angebauten Pflanzen statt sich lediglich auf einige wenige zu konzentrieren, die dann riesige Monokultur-Äcker bilden.
In dem Ökosystem einer Permakultur haben auch Tiere ihren festen Platz. So sind etwa Nutztiere wie Schafe dafür verantwortlich, die Wiesen kurz zu halten und gleichzeitig die Pflanzen mit ihrem Kot zu düngen. Auch wird in der Permakultur gezielt die Vielfalt von Nützlingen wie Bestäubern und den natürlichen Feinden von Schädlingen gefördert. Auf diese Weise können die Landwirte im Idealfall komplett auf industriellen Dünger und Pestizide verzichten und trotzdem reichhaltige Ernten einfahren.
Das klingt zwar in der Theorie verlockend, doch wie gut kann die Permakultur tatsächlich mit herkömmlichen Anbaumethoden mithalten? Das haben nun Forschende um Julius Reiff von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau erstmals umfangreich untersucht. Dafür nahmen sie insgesamt neun Permakultur-Betriebe in Deutschland und Luxemburg genauer unter die Lupe und verglichen sie mit nahegelegenen Vergleichsfeldern, auf denen konventionelle Landwirtschaft betrieben wird. Konkret ermittelten Reiff und sein Team, wie sich die beiden Anbauarten auf die Artenvielfalt der Äcker und auf die Bodenqualität auswirkten.
Permakulturen fördern Artenvielfalt und gesunde Böden
Das Ergebnis: Auf den Permakultur-Flächen waren Bodenqualität und Biodiversität im Vergleich zu den umgebenden konventionellen Landwirtschaftsflächen deutlich erhöht, wie die Forschenden berichten. Die Artenvielfalt der Würmer war auf den Permakultur-Betrieben zum Beispiel um 77 Prozent höher, die der Vögel sogar um 197 Prozent. „Ich hätte nicht erwartet, dass Permakultur Regenwürmer und andere Bodenorganismen in diesem Ausmaß fördert. Angesichts der Bedeutung des Bodenlebens für die Abfederung von Klimaextremen sowie für die Gesundheit und den Ertrag von Nutzpflanzen sind die Ergebnisse sehr vielversprechend“, sagt Co-Autor Johann Zaller von der Universität für Bodenkultur in Wien.





