Erröten ist nicht eine Folge eines erhöhten Blutzuflusses, sondern eines reduzierten Abflusses von Blut. Angst vor dem Rotwerden zu haben, verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Das schließen australische Forscher aus Untersuchungen an 16 Freiwilligen, die nach eigenen Angaben häufig besorgt sind, sichtbar rot zu werden. Die Forscher untersuchten den Blutfluss in den Gesichtern dieser Probanden, während diese unangenehme Aufgaben zu erledigen hatten, und verglichen die Werte mit denen von 16 weiteren Versuchsteilnehmern, die nicht zum Rotwerden neigten.
Für den Versuch führten die Probanden Telefonate mit fremden Personen und hielten Reden, deren Aufzeichnung sie sich nachher anhören mussten. Die Personen, die zum Erröten neigten, reagierten mit mehr Unbehagen und erwartungsgemäß mit einem roten Kopf. Beim Erledigen der unangenehmen Aufgaben stellten die Forscher bei beiden Versuchsgruppen einen erhöhten Blutfluss im Gesicht fest. Allerdings unterschied sich diese erhöhte Blutzufuhr bei beiden Gruppen kaum. Bei den Versuchsteilnehmern, die zum Erröten neigten, dauerte es jedoch länger, bis dieses Blut wieder aus dem Gesicht verschwand. Dieser Effekt führt dazu, dass die Rötung im Gesicht sichtbar wird, sagen die Forscher.
Die genauen Abläufe, die dazu führen, dass das Blut länger im Gesicht bleibt, sind noch nicht geklärt. Möglicherweise reagieren die feinen Blutgefäße im Gesicht der zum Erröten neigenden Personen intensiver auf sozialen Stress und halten das Blut länger zurück. Die Angst vor dem Rotwerden könnte einen zusätzlichen Stresseffekt auslösen, der dazu führt, dass das Erröten länger anhält, sagen die Wissenschaftler.
Peter Drummond (Murdoch-Universität, Perth) et al.: Behaviour Research and Therapy, Online-Vorabveröffentlichung, DOI:10.1016/j.brat.2006.06.012 ddp/wissenschaft.de ? Martin Vieweg





